Stellen Sie sich vor, Sie steuern ein Schiff mitten über den Ozean. Sie haben ein Ziel, aber keinen Kompass und keine Seekarte.
Sie fahren einfach „irgendwie“ in die richtige Richtung.
Früher hat der Einkauf in vielen Unternehmen genau so funktioniert: Man hat einfach eingekauft, was gerade gebraucht wurde, und gehofft, dass die Preise niedrig waren.
Doch im modernen Geschäftsleben reicht „Hoffen“ nicht mehr aus. Ein moderner Einkauf muss strategisch denken, Risiken minimieren und den Wert für das Unternehmen
steigern. Genau hier kommt die Scorecard ins Spiel. Sie ist wie ein digitales Navigationssystem, das genau anzeigt, ob der Einkauf auf Kurs ist oder ob man das Ruder herumreißen muss.
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Was ist eine Scorecard im Einkauf eigentlich?
Einfach ausgedrückt ist eine Scorecard ein Instrument, um die Leistung des Einkaufs messbar zu machen. Anstatt nur auf den Preis eines Produkts zu schauen, blickt die Scorecard auf verschiedene
Bereiche, die wichtig für den Erfolg sind.
Denken Sie an die Anzeige in einem Auto: Ein Tacho zeigt Ihnen die Geschwindigkeit, eine Tankanzeige den Füllstand und eine Warnleuchte den Ölstand. Würden Sie nur auf den Tacho schauen, wüssten
Sie zwar, wie schnell Sie sind, würden aber vielleicht den leeren Tank übersehen und mitten auf der Strecke liegen bleiben.
Eine Scorecard im Einkauf macht genau das Gleiche: Sie liefert ein Gesamtbild, statt nur einen einzigen Wert (wie den Preis) zu betrachten.
Warum reicht der reine Preis nicht mehr aus?
Lange Zeit galt im Einkauf das Prinzip: „Wer am billigsten einkauft, macht den besten Job.“ Das klingt simpel, ist aber oft gefährlich.
Ein Beispiel: Wenn Sie extrem günstig einkaufen, aber der Lieferant ständig zu spät liefert oder die Qualität mangelhaft ist, entstehen Ihrem Unternehmen Zusatzkosten. Produktionsbänder stehen
still, Kunden sind unzufrieden oder Sie müssen teure Ersatzteile nachkaufen. Ein günstiger Einkaufspreis kann also am Ende ein sehr teurer Fehler sein.
Die Scorecard hilft dabei, diese „versteckten“ Kosten sichtbar zu machen. Sie betrachtet nicht nur den
Preis, sondern auch:
- Qualität: Wie viele gelieferte Teile sind fehlerfrei?
- Liefertreue: Kommen die Waren pünktlich an?
- Innovation: Helfen die Lieferanten dabei, unsere Produkte besser zu machen?
- Nachhaltigkeit: Handeln unsere Partner umweltbewusst und sozial gerecht?
Wie eine Scorecard den Erfolg messbar macht
Um eine Scorecard aufzubauen, teilt man den Einkauf in verschiedene Perspektiven ein.
Eine bekannte Methode hierfür ist die „Balanced Scorecard“. Hier ein praktisches Beispiel, wie man diese Perspektiven füllen kann:
- Die finanzielle Perspektive: Hier messen wir klassische Dinge wie die Einsparungen („Savings“).
- Die Prozess-Perspektive: Wie effizient arbeitet unser Team? Wie lange dauert es von der Bestellung bis zur Lieferung?
- Die Lieferanten-Perspektive: Wie gut ist unsere Beziehung zu den wichtigsten Partnern?
- Die Mitarbeiter-Perspektive: Haben unsere Einkäufer die richtigen Werkzeuge und das nötige Wissen, um ihre Arbeit gut zu machen?
Ein Blick auf die Fakten: Warum Messen wichtig ist
Dass strukturierte Messsysteme einen echten Unterschied machen, zeigt auch eine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey. In einer Studie wurde deutlich, dass Unternehmen, die ihre
Einkaufsleistung systematisch messen und datengestützt steuern, ihre Betriebskosten um bis zu 20 % stärker senken können als Wettbewerber, die weniger datenbasiert agieren (Quelle: McKinsey &
Company, „The Procurement Value Proposition“).
Das zeigt eindrucksvoll: What gets measured gets done! 🎯
So führen Sie eine Scorecard erfolgreich ein
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen eine Scorecard einführen wollen, sollten Sie nicht versuchen, von heute auf morgen alles zu messen. Das führt nur dazu, dass die Mitarbeiter im „Daten-Dschungel“
verloren gehen.
Hier sind drei Tipps für den Start:
-
Weniger ist mehr:
Wählen Sie am Anfang 5 bis 7 Kennzahlen (KPIs – Key Performance Indicators), die wirklich wichtig für Ihr Unternehmen sind. Messen Sie diese dafür aber sehr genau.
-
Fragen Sie das Team:
Die Einkäufer an der Front wissen am besten, wo es hakt.
Wenn die Scorecard für die Mitarbeiter nur ein Instrument zur Kontrolle ist, wird sie nicht funktionieren.
Sie muss ein Werkzeug sein, das ihnen hilft, ihren Job besser zu machen.
-
Transparenz schaffen:
Ergebnisse sollten für das Team sichtbar sein.
Nur wenn jeder versteht, welchen Einfluss sein Handeln auf die Gesamtzahlen hat, kann man gemeinsam besser werden.
Die Rolle der Digitalisierung
Ein modernes Navigationssystem braucht Daten. Früher mussten Einkäufer ihre Zahlen mühsam in Excel-Tabellen pflegen.
Heute gibt es spezielle Software-Lösungen, die diese Daten automatisch sammeln.
Die Scorecard aktualisiert sich quasi „in Echtzeit“. So sehen Sie sofort, wenn ein Lieferant plötzlich Probleme bekommt, und können reagieren, bevor der Schaden für Ihr Unternehmen groß wird. Das macht den Einkauf von einer reinen „Bestell-Abteilung“ zu einem strategischen Partner im Unternehmen.
Fazit: Ohne Plan kein Erfolg
Die Scorecard ist weit mehr als nur ein Kontrollinstrument. Sie ist das Sprachrohr des Einkaufs innerhalb des Unternehmens.
Sie macht sichtbar, welchen Wert der Einkauf durch Verhandlungen, gute Lieferantenbeziehungen und effiziente Prozesse schafft.
In einer Welt, in der Lieferketten immer komplexer werden und Preise stark schwanken, ist eine datengestützte Steuerung unverzichtbar. Wer eine Scorecard nutzt, navigiert sein Unternehmen sicher
durch unruhige Gewässer. Er weiß immer, wo er steht, wohin er will und welche Korrekturen auf dem Weg dorthin notwendig sind.
Der moderne Einkauf ist also kein „billiger Verwalter“ mehr, sondern ein strategischer Kapitän, der sein Schiff mit moderner Technik zielsicher in den Hafen steuert. ⚓
Weiterführende Links
- Was ist eine Balanced Scorecard?
- KPIs im Einkauf: Die wichtigsten Kennzahlen (BME e.V.)
- Die Rolle der Digitalisierung im modernen Einkauf (Fraunhofer-Institut)
Heute noch ein Blogthema erkunden:
Wir fühlen uns sicher, wenn wir das Gleiche tun wie die Masse.
Der Herdentrieb erstickt echte Innovation und führt zu „Einkaufsträgheit“.
Eine KI leidet nicht unter psychologischen Voreingenommenheiten. Sie hat keine Angst, den Job zu verlieren, wenn sie einen „unbekannten“ Anbieter empfiehlt. KI kann dir sagen, wer fachlich am besten geeignet ist, aber ob die „Chemie“ zwischen den Teams stimmt, musst du im Gespräch herausfinden.
Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf


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