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Der Advocatus Diaboli: Ihre Geheimwaffe für klügere B2B-Einkaufsentscheidungen


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer wichtigen Besprechung.

Es geht um die Anschaffung einer neuen Software für Ihr Unternehmen. Die Präsentation des Anbieters war überzeugend, Ihr Team ist begeistert, und die Entscheidung scheint so gut wie gefallen. Alle nicken zustimmend. Doch dann meldet sich eine Person zu Wort und sagt: „Moment mal. Was, wenn wir das Ganze aus einer anderen Perspektive betrachten? Was sind die größten Risiken, die wir gerade übersehen?“

Diese Person ist nicht zwangsläufig ein Miesmacher.

Sie ist möglicherweise die wichtigste Person im Raum: der Advocatus Diaboli, oder auch „Anwalt des Teufels“. 🕵️‍♀️

In diesem Artikel erklären wir, warum diese Rolle gerade im B2B-Einkauf unverzichtbar ist und wie Sie diese Methode nutzen können, um teure Fehler zu vermeiden und nachhaltig bessere Entscheidungen zu treffen.

 

Was ist ein Advocatus Diaboli?


Der Begriff „Advocatus Diaboli“ stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und wurde durch die katholische Kirche geprägt.

Bei Heiligsprechungsverfahren war es die Aufgabe dieses Kirchenanwalts, gezielt Argumente gegen die Heiligsprechung zu finden und vorzubringen. Ziel war es nicht, den Prozess zu sabotieren, sondern ihn durch eine kritische Prüfung glaubwürdiger und robuster zu machen.

Heute beschreibt der Begriff eine Person, die in einer Diskussion bewusst die Gegenposition einnimmt.

Sie hinterfragt Annahmen, sucht nach Schwachstellen und spielt mögliche negative Szenarien durch. Es geht nicht darum, eine Idee zu zerstören, sondern sie einem Stresstest zu unterziehen, um sie letztendlich zu verbessern.

 

Warum ist der „Anwalt des Teufels“ im B2B-Einkauf so wichtig?


Im Geschäftsleben, und besonders im komplexen B2B-Einkauf, werden oft weitreichende Entscheidungen getroffen.

Die falsche Wahl eines Lieferanten, einer Maschine oder einer Software kann enorme finanzielle Folgen haben, Produktionsprozesse lahmlegen und dem Ruf des Unternehmens schaden.

Hier kommt der Advocatus Diaboli ins Spiel, um einer der größten Gefahren bei Gruppenentscheidungen entgegenzuwirken:

dem Gruppendenken.

 

Die Falle des Gruppendenkens (Groupthink)


Gruppendenken ist ein psychologisches Phänomen, bei dem eine Gruppe von kompetenten Personen eine schlechte Entscheidung trifft, weil das Bedürfnis nach Harmonie und Konformität größer ist als der Wunsch nach einer realistischen Bewertung von Alternativen. Man will die gute Stimmung nicht stören, den Vorgesetzten nicht verärgern oder als Einziger Bedenken äußern.

Typische Anzeichen für Gruppendenken sind:

  • Illusion der Einstimmigkeit:
    Da niemand widerspricht, glauben alle, dass die Entscheidung einstimmig getragen wird.

  • Druck auf Andersdenkende:
    Wer Zweifel äußert, wird schnell als Störenfried oder nicht teamfähig wahrgenommen.

  • Selbstzensur:
    Teammitglieder halten ihre eigenen Bedenken zurück, um den Konsens nicht zu gefährden.

  • Blinder Optimismus:
    Die Gruppe ist übermäßig von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt und ignoriert Warnsignale.

Ein Advocatus Diaboli durchbricht diese gefährliche Dynamik gezielt.

Er oder sie hat die offizielle Erlaubnis, unbequem zu sein und die etablierte Meinung herauszufordern.

 

Die Vorteile im B2B-Einkaufsprozess


Durch den Einsatz eines Advocatus Diaboli können Einkäuferteams ihre Entscheidungsprozesse systematisch verbessern:

  1. Risiken frühzeitig erkennen:
    Potenzielle Schwachstellen eines Angebots, versteckte Kosten oder langfristige Integrationsprobleme werden aufgedeckt, bevor Verträge unterzeichnet werden. Dies ist eine proaktive Form des Risikomanagements.

  2. Entscheidungsqualität steigern:
    Indem alle denkbaren Gegenargumente geprüft werden, wird die finale Entscheidung fundierter und widerstandsfähiger.

  3. Verborgene Annahmen aufdecken:
    Oft basieren Entscheidungen auf unbewussten Annahmen („Das haben wir schon immer so gemacht“).
    Der Advocatus Diaboli zwingt das Team, diese Annahmen zu überprüfen.

  4. Kreativität und Innovation fördern:
    Die kritische Auseinandersetzung kann zu völlig neuen Lösungen oder besseren Verhandlungsstrategien führen.

Ein konkretes Beispiel aus dem Einkauf 🏭


Ein produzierendes Unternehmen plant den Kauf einer neuen, teuren Fertigungsmaschine.
Das Angebot des langjährigen Haus- und Hoflieferanten liegt vor. Das Team ist überzeugt, da die Zusammenarbeit immer gut lief.

Ohne Advocatus Diaboli:
Das Team bespricht kurz die Vorteile (bekannter Lieferant, einfache Abwicklung) und gibt die Bestellung frei.
Zwei Jahre später stellt sich heraus, dass die Wartungskosten unerwartet hoch sind und ein Konkurrenzprodukt eine deutlich höhere Energieeffizienz geboten hätte.

Mit Advocatus Diaboli:
Eine Person im Einkaufsteam wird zur „Anwältin des Teufels“ ernannt.
Sie stellt folgende Fragen:

  • „Verlassen wir uns zu sehr auf unseren alten Lieferanten und haben deshalb den Markt nicht gründlich genug analysiert?“
  • „Welche langfristigen Betriebskosten (Wartung, Energie, Schulungen) kommen auf uns zu? Sind diese im Angebot transparent ausgewiesen?“
  • „Was passiert, wenn der Lieferant in drei Jahren von einem Konkurrenten aufgekauft wird?“
  • „Gibt es neuere Technologien auf dem Markt, die wir übersehen haben, weil wir nur mit einem Anbieter gesprochen haben?“

Durch diese Fragen wird das Team gezwungen, eine gründlichere Marktanalyse durchzuführen, die Lebenszykluskosten zu berechnen und alternative Angebote einzuholen. Am Ende kaufen sie vielleicht immer noch beim alten Lieferanten – aber mit der Gewissheit, die beste Entscheidung getroffen zu haben, oder sie entscheiden sich für einen anderen Anbieter, der langfristig mehr Wert bietet.

 

Vielfalt im Denken führt zu besseren Ergebnissen

Geschlechterdiversität steigert die Erfolgswahrscheinlichkeit um 21% - McKinsey 2018


Die Rolle des Advocatus Diaboli ist im Kern eine Methode, um kognitive Vielfalt – also eine Vielfalt an Denkweisen und Perspektiven – in einen Entscheidungsprozess zu zwingen. Dass sich diese Vielfalt auszahlt, ist nicht nur eine Theorie, sondern lässt sich auch mit Zahlen belegen.

Eine umfassende Studie von McKinsey mit dem Titel „Delivering Through Diversity“ (2018) untersuchte über 1.000 Unternehmen in zwölf Ländern. Die Ergebnisse zeigen eine starke Korrelation zwischen der Vielfalt im Management und dem Geschäftserfolg.

  • Unternehmen mit einer hohen Geschlechtervielfalt in Führungspositionen hatten eine um 21 % höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein.
  • Für deutsche Unternehmen war der Effekt sogar noch deutlicher:Hier verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit eines überdurchschnittlichen Geschäftserfolgs bei einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte. (Quelle: McKinsey, "Delivering Through Diversity", 2018).


Auch wenn die Studie nicht direkt die Rolle des Advocatus Diaboli misst, untermauert sie das zugrundeliegende Prinzip:

Das Einbeziehen unterschiedlicher Perspektiven führt zu robusteren Strategien und besseren finanziellen Ergebnissen.

 

Praktische Tipps: So setzen Sie den Advocatus Diaboli richtig ein


Damit die Methode erfolgreich ist und nicht zu persönlichen Konflikten führt, sollten Sie einige Regeln beachten:

  • Rolle offiziell benennen:
    Bestimmen Sie vor einer Diskussion klar, wer die Rolle des Advocatus Diaboli einnimmt.
    Das macht deutlich, dass die Kritik nicht persönlich, sondern methodisch ist.

  • Rolle rotieren lassen:
    Jeder im Team sollte die Rolle einmal übernehmen. Das fördert das Verständnis für kritisches Denken und verhindert, dass immer dieselbe Person als „Nörgler“ abgestempelt wird.

  • Kritik am Prozess, nicht an der Person:
    Der Fokus liegt immer auf der Sache.
    Es geht darum, Argumente und Annahmen zu prüfen, nicht die Kompetenz von Kollegen infrage zu stellen.

  • Konstruktiv bleiben:
    Das Ziel ist nicht, eine Entscheidung zu blockieren, sondern sie zu verbessern.
    Ein guter Advocatus Diaboli liefert nicht nur Kritik, sondern regt auch die Suche nach Lösungen an.

  • Seien Sie Ihr eigener Advocatus Diaboli:
    Auch wenn Sie allein eine Entscheidung vorbereiten, können Sie diese Rolle für sich selbst einnehmen und Ihre eigene Idee kritisch hinterfragen.

Fazit


Der Advocatus Diaboli ist weit mehr als nur ein Bedenkenträger. Er ist eine institutionalisierte Form der Kritik, die Teams vor teurem Gruppendenken schützt und die Qualität von Einkaufsentscheidungen massiv verbessert. Indem Sie bewusst nach Schwachstellen suchen, Risiken aufdecken und Alternativen prüfen, stellen Sie sicher, dass Ihre Entscheidungen auf einem soliden Fundament stehen.

Im strategischen B2B-Einkauf, wo jede Entscheidung weitreichende Konsequenzen haben kann, ist der Advocatus Diaboli kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Er ist Ihre Geheimwaffe für klügere, sicherere und letztendlich profitablere Geschäfte.

Trauen Sie sich, dem Teufel einen Anwalt an die Seite zu stellen – Ihr Unternehmen wird es Ihnen danken. ✅


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Tiered Pricing ist für Grosshändler technischer Produkte mehr als ein Rabattmodell, das bei richtiger Anwendung die Einkaufskosten signifikant senkt, die Effizienz steigert und die Beziehungen zu wichtigen Lieferanten nachhaltig stärkt.

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Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf

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