In der Welt der Unternehmen wird meistens so geplant: Man nimmt das Budget aus dem letzten Jahr, schlägt ein paar Prozent drauf – fertig. Das nennt man „inkrementelle Budgetierung“. Doch was
passiert, wenn man dieses Prinzip komplett über den Haufen wirft?
Genau hier kommt das Zero-Based Budgeting (ZBB) ins Spiel. Es ist ein Ansatz, bei dem man nicht bei den alten Zahlen ansetzt, sondern bei der Zahl Null. Alles muss neu begründet werden.
Im B2B-Einkauf, wo riesige Summen für Rohstoffe, Dienstleistungen und IT fließen, kann das Wunder wirken. 📉
Was genau ist Zero-Based Budgeting?
Stell dir vor, du räumst dein Zimmer komplett leer. Jedes einzelne Möbelstück, das wieder reinkommt, muss einen echten Nutzen haben und darf nicht nur da stehen, weil es letztes Jahr auch schon
da war. Genau das ist Zero-Based Budgeting.
Beim ZBB beginnt jeder Budgetzeitraum – meist das Geschäftsjahr – bei null.
Alle Ausgaben müssen neu bewertet und genehmigt werden.
Im B2B-Einkauf bedeutet das: Ein Einkäufer kann nicht einfach sagen: „Wir brauchen wieder 100.000 Euro für Verpackungsmaterial, weil wir die letztes Jahr auch gebraucht haben.“ Er muss belegen: Wie viele Produkte wollen wir wirklich verkaufen? Welches Material ist aktuell am günstigsten und effizientesten? Gibt es vielleicht neue Anbieter, die das besser machen?
Warum ist der B2B-Einkauf besonders betroffen?
Der Einkauf ist in vielen Unternehmen der größte Kostenblock.
Wenn man hier ineffizient arbeitet, verlieren Unternehmen schnell viel Geld.
Oft schleifen sich über Jahre „Gewohnheitskosten“ ein. Man kauft bei Lieferant A, weil man das schon seit zehn Jahren so macht. Man schließt Abonnements für Software ab, die eigentlich kaum noch
jemand nutzt.
ZBB zwingt die Käufer dazu, die Komfortzone zu verlassen. Es macht den Einkauf von einer reinen „Bestellabteilung“ zu einer „strategischen
Abteilung“, die aktiv Kosten spart und Werte schafft. 💡
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir ein mittelständisches Unternehmen, das Bauteile für Autos produziert.
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Die klassische Methode:
Das Unternehmen gibt jedes Jahr 50.000 Euro für Reinigungsdienste in der Fabrik aus. Das Budget wird jährlich um 2 % erhöht, um Preissteigerungen auszugleichen. Niemand hinterfragt, ob die Leistung noch stimmt.
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Der ZBB-Ansatz:
Das Projektteam startet bei Null. Sie fragt:
Wie viel Reinigung brauchen wir wirklich, um unsere Standards zu halten?
Es holt neue Angebote ein. Dabei stellt es fest, dass ein neuer Dienstleister modernere Roboter einsetzt, die schneller arbeiten. Am Ende sinken die Kosten auf 40.000 Euro, obwohl die Qualität sogar steigt.
Durch das Null-Start-Prinzip wurde ein Prozess aufgedeckt, der sich in den letzten Jahren einfach „eingeschlichen“ hatte.
Was sagt die Wissenschaft?
Dass ZBB nicht nur eine gute Idee ist, sondern handfeste Vorteile bringt, zeigen Studien.
Ein Blick auf eine Untersuchung von Accenture verdeutlicht das Potenzial:
Unternehmen, die Zero-Based Budgeting konsequent einsetzen, können ihre operativen Kosten innerhalb eines Jahres oft um 10 bis 25 Prozent senken (Quelle: Accenture, Zero-Based Budgeting: A
Catalyst for High Performance). Diese eingesparten Millionen können dann direkt in Innovationen, neue Maschinen oder die Entwicklung neuer Produkte gesteckt werden. 📊
Die Herausforderungen: Warum macht es nicht jeder?
Wenn ZBB so toll klingt, warum wird es nicht überall gemacht? Ganz einfach: Es ist anstrengend.
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Zeitaufwand:
Jedes Jahr bei null anzufangen, erfordert viel Zeit und Vorbereitung.
Man muss Daten analysieren und mit verschiedenen Abteilungen sprechen.
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Widerstand:
Mitarbeiter mögen keine Veränderung. Wenn jemand jahrelang über ein bestimmtes Budget verfügt hat, fühlt er sich bei einer Kürzung oder Streichung schnell angegriffen.
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Komplexität:
Man braucht gute IT-Systeme, um die Daten aus dem Einkauf und der Produktion sauber auszuwerten.
Praktische Tipps für die Einführung
Wenn du ZBB in deinem Unternehmen oder Einkaufsteam einführen möchtest, solltest du diese Tipps beachten:
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Fange klein an:
Versuche nicht, sofort das gesamte Budget des Konzerns umzustellen.
Wähle eine Abteilung oder einen bestimmten Warengruppenbereich (z. B. Büromaterial oder Reisekosten) als Testobjekt.
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Kommunikation ist alles:
Erkläre deinem Team, dass es nicht darum geht, den Leuten „etwas wegzunehmen“.
Es geht darum, Ressourcen so zu verteilen, dass das Unternehmen langfristig sicher und profitabel bleibt.
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Nutze Technologie:
Verlasse dich nicht auf Excel-Tabellen.
Es gibt mittlerweile spezielle Software-Lösungen, die beim ZBB helfen und die Berechnungen automatisieren.
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Fokus auf Mehrwert:
Frage nicht nur „Was kostet das?“, sondern „Was bringt uns das?“. Ein teureres Rohmaterial könnte die Produktionszeit halbieren – das spart am Ende mehr Geld, als es beim Einkauf kostet.
Fazit: Lohnt sich der Aufwand?
Zero-Based Budgeting ist kein kurzfristiger Spar-Trick. Es ist eine Kulturveränderung.
Es erfordert Disziplin und den Mut, alte Denkmuster zu durchbrechen. Für den B2B-Einkauf ist es jedoch eines der mächtigsten Werkzeuge, um in einem wettbewerbsintensiven Umfeld erfolgreich zu
bleiben.
Wenn man jedes Jahr jeden Euro auf den Prüfstand stellt, gewinnt man nicht nur finanzielle Spielräume.
Man erkennt auch, welche Prozesse unnötig kompliziert sind und wo man durch kluge Entscheidungen effizienter werden kann. ZBB sorgt dafür, dass ein Unternehmen wach bleibt – und nicht aus
Bequemlichkeit Geld verschwendet. 🚀
Am Ende ist Budgetierung keine lästige Pflichtaufgabe, sondern ein strategisches Instrument, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Wer sich traut, bei null
anzufangen, gewinnt oft am meisten.
Weiterführende Links
- Zero-Based Budgeting bei Wikipedia
- Die Vorteile von ZBB laut Forbes (englisch)
- Einkaufsmanagement und Kostenkontrolle – Fachportal
Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf


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