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Single Sourcing: Maximale Effizienz oder riskantes Spiel?


Stell dir vor, du planst eine riesige Geburtstagsparty. Du brauchst dafür 50 Flaschen deiner absoluten Lieblingslimonade. Nun hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du gehst zu dem einen großen Supermarkt um die Ecke, der dir einen tollen Rabatt anbietet, wenn du alles bei ihm kaufst. Oder du klapperst drei verschiedene Läden ab – das kostet zwar mehr Zeit und wahrscheinlich auch mehr Geld, aber wenn ein Laden ausverkauft ist, stehst du am Ende nicht mit leeren Händen da.

Genau vor dieser Entscheidung stehen tagtäglich die Manager im Einkauf von großen und kleinen Unternehmen.
In der Fachwelt nennt man die Entscheidung, alles bei nur einem einzigen Anbieter zu kaufen, Single Sourcing (auf Deutsch: Einzelquellenbeschaffung).

Doch ist diese Strategie ein genialer Hebel für maximale Effizienz oder ein brandgefährliches Spiel mit dem Feuer?
In diesem Artikel beleuchten wir beide Seiten der Medaille, zeigen dir anschauliche Beispiele und geben praktische Tipps für die Umsetzung.

 

Was ist Single Sourcing überhaupt? 🤔

Auf dem Markt gehen Kunden immer wieder zu Ihren Stammlieferanten, quasi ein freiwilliges Single Sourcing


Bevor wir in die Tiefe gehen, klären wir kurz die Begriffe. Beim Single Sourcing entscheidet sich ein Unternehmen ganz bewusst dafür, ein bestimmtes Produkt, Bauteil oder eine Dienstleistung von nur einem einzigen Lieferanten zu beziehen. Und das, obwohl es auf dem Markt eigentlich noch andere Anbieter gäbe, die das Gleiche liefern könnten.

Das ist ein wichtiger Unterschied zum sogenannten Sole Sourcing. Davon spricht man, wenn es auf dem gesamten Markt tatsächlich nur einen einzigen Anbieter gibt (zum Beispiel bei einem patentierten Medikament oder einer extrem speziellen Hightech-Maschine).
Beim Single Sourcing hat das Unternehmen also die freie Wahl – und entscheidet sich freiwillig für die Monogamie im Einkauf.

 

Die Vorteile: Warum Unternehmen auf einen einzigen Partner setzen 📈


Auf den ersten Blick klingt es fast unvernünftig, sich von nur einem Partner abhängig zu machen. Doch in der Praxis bietet das Single Sourcing enorme Vorteile, die vor allem die Kosten senken und die Zusammenarbeit vereinfachen.

 

1. Der "Mengenrabatt-Effekt" (Skaleneffekte)💰


Wenn du all dein Geld zu einem einzigen Lieferanten trägst, bist du für ihn ein extrem wichtiger Kunde - wenn du kein wichtiger Kunde bist/wirst - lass die Finger vom Single sourcing.
Weil du sehr große Mengen abnimmst, kannst du viel bessere Preise verhandeln.
Der Lieferant freut sich über den garantierten Umsatz und gibt dir im Gegenzug saftige Rabatte.

Viele Komponenten werden kundenspezifisch gefertigt. Das verursacht Initialkosten (Investitionen) - beim Single Sourcing fallen Sie nur bei einem Lieferanten an.

 

2. Weniger Papierkram und einfache Logistik 📦


Es macht einen riesigen Unterschied, ob du mit zehn verschiedenen Lieferanten verhandeln, Verträge schreiben, Rechnungen prüfen und Liefertermine abstimmen musst – oder nur mit einem. Der Verwaltungsaufwand schrumpft beim Single Sourcing auf ein Minimum. Auch die Transportwege lassen sich viel besser planen, wenn alles aus einer Hand kommt.

 

3. Tiefe Partnerschaft und gemeinsame Innovationen 🤝


Wenn man jahrelang eng zusammenarbeitet, entsteht Vertrauen. Man kennt die Abläufe des anderen in- und auswendig.

Oft arbeiten die Entwickler des Einkäufers und des Lieferanten Hand in Hand.

Ein Beispiel: Ein Fahrradhersteller entwickelt zusammen mit seinem einzigen Schaltungslieferanten eine völlig neue, revolutionäre Gangschaltung. Das wäre kaum möglich, wenn der Hersteller ständig die Lieferanten wechseln würde.

 

Die Schattenseite: Welche Risiken lauern beim Single Sourcing? ⚡


Wo viel Licht ist, ist leider auch viel Schatten. Die Risiken des Single Sourcings sind nicht zu unterschätzen und haben in den letzten Jahren vielen Unternehmen schlaflose Nächte bereitet.

 

1. Die totale Abhängigkeit (Klumpenrisiko) 🔗


Was passiert, wenn der eine Lieferant plötzlich nicht mehr liefern kann? Die Gründe dafür können vielfältig sein: Ein Brand in der Fabrik, ein Streik der Mitarbeiter, eine Naturkatastrophe oder schlicht die Pleite (Insolvenz) des Anbieters.

Wenn dieser eine Dominostein fällt, steht beim Einkäufer oft die komplette Produktion still.

 

2. Preiserhöhungen im Nachhinein 📈


Hat sich der Lieferant erst einmal unentbehrlich gemacht, sitzt er am längeren Hebel. Er weiß genau, dass der Wechsel zu einem anderen Anbieter für dich teuer und kompliziert wäre. Manche Lieferanten nutzen diese Machtposition aus, um nach einiger Zeit die Preise schrittweise zu erhöhen.

 

3. Trägheit statt Innovation 😴


Wenn der Lieferant weiß, dass sein Vertrag sicher ist und es keine direkte Konkurrenz gibt, lässt der Eifer oft nach.

Warum sollte er sich noch extrem anstrengen, um die Qualität zu verbessern oder neue Ideen zu entwickeln?
Ohne Wettbewerb droht Stillstand.

Die Realität in Zahlen

 

Wie verletzlich globale Lieferketten tatsächlich sind, zeigt eine umfassende Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. In dieser Studie gaben 73 % der befragten Unternehmen an, dass sie im Zuge globaler Krisen erhebliche Störungen in ihrer Lieferkette erleiden mussten (Quelle: PwC, "Global Supply Chain Survey").

Wer in solchen Zeiten ausschließlich auf Single Sourcing setzt, trägt ein extrem hohes Risiko.

 

Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis: Die Autoindustrie 🚗


Um zu verstehen, wie sich Single Sourcing im echten Leben auswirkt, werfen wir einen Blick auf die Automobilindustrie.

Ein modernes Auto besteht aus über 10.000 Einzelteilen. Um Kosten zu sparen, nutzen viele Autohersteller für bestimmte Bauteile (wie zum Beispiel die Kabelbäume oder spezielle Mikrochips) das Single Sourcing.

Als es vor einiger Zeit in einem großen Werk eines Chip-Herstellers in Japan brannte, konnte dieser keine Steuergeräte mehr an die Autohersteller liefern. Die Folge? Weltweit mussten riesige Autofabriken für Wochen die Arbeit einstellen. Tausende Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden, und die Kunden warteten monatelang auf ihre Neuwagen – und das alles nur, weil ein einziges kleines Bauteil von einem einzigen Lieferanten fehlte.

 

Praktische Tipps für den Einkauf: So minimierst du das Risiko 💡


Bedeutet das nun, dass man die Finger vom Single Sourcing lassen sollte?

Nein, nicht zwingend. Aber man muss es klug anstellen.

Hier sind vier praktische Tipps, wie Unternehmen die Vorteile nutzen können, ohne ein zu großes Risiko einzugehen:

  • Tipp 1: Die ABC-Analyse nutzen.
    Wende Single Sourcing nur bei unkritischen Teilen an. Wenn eine Schraube leicht durch eine andere ersetzt werden kann, ist Single Sourcing kein Problem. Bei hochkomplexen Schlüsseltechnologien (wie dem Motor oder der Software) solltest du immer eine Alternative im Hinterkopf haben.

  • Tipp 2: Den "Plan B" in der Schublade haben.
    Auch wenn du aktuell alles von einem Partner kaufst, solltest du den Markt ständig beobachten. Wer sind die Konkurrenten? Wie schnell könnten sie einspringen? Halte den Kontakt zu potenziellen Zweitlieferanten warm.

  • Tipp 3: Das "Dual Sourcing" als goldener Mittelweg.
    Viele Unternehmen nutzen heute das Prinzip der zwei Quellen. Dabei kauft man zum Beispiel 80 % der benötigten Menge beim Hauptlieferanten (um den Mengenrabatt zu sichern) und 20 % bei einem zweiten Anbieter. Fällt der Hauptpartner aus, kann der zweite Partner die Produktion zumindest teilweise aufrechterhalten und schneller hochgefahren werden.

  • Tipp 4: Regelmäßige Audits und Risiko-Checks.
    Besuche deinen wichtigsten Lieferanten regelmäßig vor Ort. Schau dir seine finanzielle Lage an und prüfe, ob er Sicherheitsvorkehrungen (z. B. gegen Brände oder Cyberangriffe) getroffen hat.

Fazit: Die Mischung macht's! ⚖️


Single Sourcing ist im Einkauf wie das Fahren auf der Überholspur der Autobahn: Man kommt extrem schnell und effizient voran – aber wenn es zu einem Unfall kommt, sind die Folgen meist fatal.

Die Strategie bietet unschlagbare Vorteile bei den Kosten und der Qualität der Zusammenarbeit. Sie erfordert jedoch ein extrem professionelles Risikomanagement. In einer Welt, die immer unvorhersehbarer wird, tendieren viele moderne Unternehmen dazu, von der reinen "Ein-Lieferanten-Strategie" abzurücken und stattdessen auf flexiblere Modelle wie das Dual Sourcing zu setzen.

Am Ende gilt im Einkauf das gleiche wie im echten Leben: Es ist selten klug, alle Eier in einen einzigen Korb zu legen.


Weiterführende Links


Im folgenden Fachbeitrag untersuchen wir eine starke psychologische Hürde:

Nur wer einen hohen Anspruch an seine Arbeit hat, stellt sich die Frage, ob man diesem gerecht wird.
Dennoch ist es wichtig, dass dieses Gefühl nicht zur Blockade wird.

Wer offen zugibt, wo seine Grenzen liegen, und stattdessen die passenden Experten an den Verhandlungstisch holt, leistet einen deutlich wertvolleren Beitrag für das Unternehmen als jemand, der versucht, eine Rolle zu spielen, die es so gar nicht gibt. 


Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf

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