Im Einkauf von Unternehmen geht es eigentlich um harte Fakten: Kosten, Qualität, Lieferzeiten und Zuverlässigkeit.
Doch egal wie groß ein Unternehmen ist, am Ende treffen immer Menschen die Entscheidungen.
Und Menschen sind nicht immer zu 100 Prozent rational.
Hier kommt ein psychologisches Phänomen ins Spiel, das den B2B-Einkauf oft teurer macht, als er sein müsste: der Ikea-Effekt. 🛒
Was ist eigentlich der Ikea-Effekt?
Der Begriff leitet sich von den bekannten Möbeln des schwedischen Einrichtungshauses ab.
Die Theorie dahinter ist simpel: Wir schätzen Dinge deutlich höher ein, wenn wir selbst an ihrer Entstehung beteiligt waren.
Wer sich mühsam ein Regal zusammengeschraubt hat, findet es am Ende wertvoller als ein fertig montiertes Modell – selbst wenn das selbstgebaute Stück ein bisschen wackelt.
Im beruflichen Kontext bedeutet das:
Wenn ein Einkäufer oder ein Team sehr viel Zeit, Energie und Herzblut in die Entwicklung einer neuen Lieferantenbeziehung oder eines internen Beschaffungsprojekts gesteckt hat, entsteht eine emotionale Bindung.
Man ist stolz auf das „eigene“ Ergebnis. Das Problem: Diese Bindung macht betriebsblind. Man übersieht Fehler, ignoriert günstigere Angebote oder hält an veralteten Verträgen fest, nur weil man „investiert“ hat.
Die versteckten Kosten der Emotionalität
Im B2B-Einkauf kann diese emotionale Verbundenheit teuer werden. Wenn Einkäufer aufgrund einer persönlichen Bindung oder eines langwierigen Auswahlprozesses nicht objektiv bleiben, entstehen
Ineffizienzen. Man spricht hier von „versunkenen Kosten“ (Sunk Costs): Man steckt weiterhin Geld in einen Lieferanten, weil man den Prozess des Aufbaus nicht entwerten möchte.
Das führt zu:
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Höheren Preisen:
Man vergleicht weniger aktiv, weil man dem bestehenden Partner vertraut. -
Innovationsstau:
Neue Marktteilnehmer mit besseren Technologien werden ignoriert. -
Fehlentscheidungen:
Man klammert sich an Projekte, die längst keinen betriebswirtschaftlichen Sinn mehr ergeben.
Wie Künstliche Intelligenz (KI) als objektiver Beobachter fungiert
Hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel. Eine KI hat keine Gefühle, keinen Stolz und keine Zeit in ein Projekt investiert.
Sie ist die perfekte Instanz, um den Ikea-Effekt zu neutralisieren.
KI-Systeme arbeiten rein datenbasiert.
Wenn ein Unternehmen KI-Tools zur Analyse seiner Einkaufsprozesse einsetzt, geschieht folgendes:
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Neutrale Benchmarks:
Die KI vergleicht aktuelle Preise und Leistungen vollautomatisch mit dem gesamten Markt.
Sie „weiß“ nicht, wer den Vertrag vor drei Jahren unter viel Mühe ausgehandelt hat. Sie sieht nur die Zahlen.
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Frühwarnsysteme:
Wenn ein Lieferant kontinuierlich teurer wird oder die Servicequalität sinkt, schlägt die KI Alarm – lange bevor das menschliche Team die emotionale Distanz aufbringen könnte, den Vertrag zu hinterfragen.
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Objektive Entscheidungsmatrix:
Bei der Auswahl neuer Partner erstellt die KI Vorhersagen auf Basis historischer Daten. Sie kann berechnen, welcher Anbieter über die nächsten fünf Jahre das beste Gesamtpaket bietet, ohne sich von sympathischen Präsentationen blenden zu lassen.
Der Einfluss von KI auf die Performance: Eine Studie
Dass der Einsatz von KI im Einkauf mehr als nur eine technische Spielerei ist, zeigen aktuelle Untersuchungen. Unternehmen, die KI-gestützte Analysetools in ihren Beschaffungsprozessen einsetzen,
erzielen messbare Erfolge.
Laut einer Untersuchung von McKinsey können Unternehmen durch den Einsatz von KI und fortschrittlichen Analyse-Tools im Einkauf die operativen Kosten um bis zu 20 Prozent senken, während
gleichzeitig die Qualität der Lieferantenbeziehungen durch faktenbasierte Kommunikation verbessert wird (Quelle: McKinsey & Company, „AI-driven procurement: The next frontier“).
Dieser signifikante Unterschied zeigt: Wer Daten sprechen lässt, statt sich auf das „Bauchgefühl“ der Beteiligten zu verlassen, gewinnt einen massiven Wettbewerbsvorteil.
Tipps für den Start: So minimieren Sie den Ikea-Effekt
Sie müssen nicht sofort Ihr gesamtes Team durch Roboter ersetzen, um den Ikea-Effekt in den Griff zu bekommen. Hier sind drei praktische Ansätze:
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Regelmäßige Daten-Audits:
Lassen Sie Ihre aktuellen Verträge einmal pro Quartal durch ein KI-gestütztes Tool oder zumindest eine neutrale, datenbasierte Software prüfen. Vergleichen Sie die Ergebnisse mit dem Marktpreis.
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Rotation in der Verantwortung:
Versuchen Sie, die Betreuung von Lieferanten oder die Leitung von Beschaffungsprojekten alle zwei bis drei Jahre zu rotieren. So verhindern Sie, dass eine Person oder ein Team „zu sehr“ in einem Prozess verwächst.
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KI als „Advocatus Diaboli“:
Nutzen Sie KI, um regelmäßig Gegenargumente zu Ihren eigenen Einkaufsentscheidungen zu generieren. Lassen Sie das Tool fragen: „Warum wäre es sinnvoll, diesen Vertrag zu kündigen?“ Dieser Perspektivwechsel hilft, die eigene Bindung zu hinterfragen. 🤖
Fazit
Der Ikea-Effekt ist menschlich, aber im B2B-Einkauf ein finanzieller Risikofaktor. Wir neigen dazu, unsere eigene Arbeit mehr zu schätzen, als es rational angebracht wäre. Das behindert den
objektiven Blick auf Marktchancen und Kosteneinsparungen.
Künstliche Intelligenz bietet uns die Möglichkeit, eine neutrale Instanz einzubauen. Sie urteilt nicht nach Sympathie oder investierter Zeit, sondern nach Leistung, Preis und Daten. Durch den
Einsatz von KI im Einkauf verwandeln Sie subjektive Einschätzungen in datengestützte Strategien. Das Ziel ist nicht, den Menschen aus der Entscheidung zu drängen, sondern ihn mit objektiven
Werkzeugen auszustatten, um die besten Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen – frei vom Ballast des Ikea-Effekts. 📈
Weiterführende Links
- Die Rolle der Digitalisierung im modernen Beschaffungsmanagement
- McKinsey & Company: AI-driven procurement and the future of supply chain
Jetzt noch ein oft genanntes Wundermittel im Blog analysiert:
Das Konsignationslager, Einerseits will man möglichst wenig Lagerbestand haben, um Kosten zu sparen.
Andererseits braucht man volle Lager, um immer lieferfähig zu sein.
Indem das Konsignationslager die physische Verfügbarkeit vom finanziellen Eigentum trennt, schafft es für beide Seiten enorme Vorteile. Für Einkäufer sinken die Kosten und das Risiko von Produktionsausfällen. Lieferanten sichern sich im Gegenzug feste Abnahmemengen und eine tiefe, vertrauensvolle Partnerschaft mit ihren Kunden.
Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf


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