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Smarter entscheiden mit KI: Egocentric Bias im B2B-Einkauf ausmerzen


Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine neue Software für Ihr gesamtes Team. Sie sind von einer Funktion total begeistert, weil sie Ihnen die Arbeit massiv erleichtert. Also treffen Sie die Entscheidung – und später stellt sich heraus, dass die Software für die meisten Kollegen im Team unpraktisch und kompliziert ist.

Das Ergebnis: Frust, verschwendetes Geld und ein Tool, das niemand nutzt.

Was ist hier passiert? Sie sind, wie wir alle, einer kognitiven Verzerrung zum Opfer gefallen: dem Egocentric Bias. 🧠

Dieser Denkfehler lässt uns die Welt übermäßig aus unserer eigenen Perspektive betrachten. Wir neigen dazu, unsere eigenen Erfahrungen, Meinungen und Bedürfnisse als Maßstab für alle anderen zu nehmen und gehen unbewusst davon aus, dass andere die Welt genauso sehen wie wir. Im Alltag führt das vielleicht nur zu harmlosen Missverständnissen. Im Business-to-Business (B2B) Einkaufsprozess, wo es oft um hohe Investitionen und langfristige Partnerschaften geht, kann dieser Bias jedoch teure Fehlentscheidungen zur Folge haben.

Doch es gibt eine gute Nachricht: Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einem mächtigen Werkzeug, das uns helfen kann, diese menschliche Schwäche zu überwinden und klügere, datenbasierte Entscheidungen zu treffen.

 

Was genau ist der Egocentric Bias?


Der Egocentric Bias ist die menschliche Tendenz, die eigene Perspektive und die eigenen Interessen bei der Bewertung von Informationen überzugewichten. Wir verlassen uns zu stark auf unser eigenes Wissen und unsere Gefühle und überschätzen, wie sehr andere Menschen unsere Meinung teilen.

Dieser Bias ist keine bewusste oder gar böswillige Handlung. Es ist eine Art mentale Abkürzung, die unser Gehirn nutzt, um komplexe Situationen zu vereinfachen. Wir kennen unsere eigenen Gedanken und Gefühle am besten, also nutzen wir sie als Ausgangspunkt. Das Problem ist, dass diese Sichtweise oft unvollständig und verzerrt ist.

 

Beispiele für den Egocentric Bias im B2B-Kaufprozess

Cartoon - Alles dreht sich um den König, er bekommt eine verzerrte Wahrnehmung


In einem Unternehmen müssen viele verschiedene Menschen mit einer neuen Anschaffung arbeiten. Ein einzelner Entscheider kann unmöglich alle Bedürfnisse und Arbeitsweisen kennen. Der Egocentric Bias schlägt hier voll zu:

  • Der IT-Manager:
    Er wählt eine neue Cloud-Lösung, weil sie aus technischer Sicht extrem sicher und einfach zu verwalten ist. Er vergisst aber, dass die Benutzeroberfläche für das Marketing-Team, das täglich damit arbeiten muss, völlig unlogisch und kompliziert ist. Seine Priorität (Sicherheit) ist nicht die einzige, die zählt.
  • Die Marketing-Leiterin:
    Sie entscheidet sich für ein neues Analyse-Tool, weil es fantastische Dashboards für die Kampagnen-Erfolgsmessung bietet, die sie für ihre Berichte an die Geschäftsführung braucht. Dass das Vertriebsteam die Daten aus dem Tool kaum nutzen kann, weil die Integration ins CRM-System fehlt, bedenkt sie nicht ausreichend.
  • Der erfahrene Produktionsleiter:
    Er bestellt seit 20 Jahren bei Lieferant A, weil die Zusammenarbeit immer "gut genug" war und er den Ansprechpartner persönlich kennt. Dass neue, innovative Lieferanten auf dem Markt sind, die bessere Qualität zu niedrigeren Preisen bieten könnten, ignoriert er. Seine positive Erfahrung und Bequemlichkeit (Stichwort: Status Quo Bias) blockieren eine objektive Marktanalyse.

In all diesen Fällen führt die "Ich-Perspektive" zu einer suboptimalen Entscheidung für das gesamte Unternehmen. Es werden nicht alle relevanten Informationen und Standpunkte berücksichtigt, was zu Ineffizienz, niedriger Akzeptanz und unnötigen Kosten führt.

 

Künstliche Intelligenz als objektiver Partner 🤖


Hier kommt die KI ins Spiel. KI-Systeme haben keine eigenen Meinungen, Gefühle oder Vorlieben. Ihre Stärke liegt darin, riesige Datenmengen objektiv zu analysieren und Muster zu erkennen, die einem Menschen verborgen bleiben würden. Sie dient als datengestütztes Korrektiv für unsere menschliche, oft verzerrte Wahrnehmung.

KI ersetzt nicht den menschlichen Entscheider, sondern erweitert dessen Fähigkeiten – sie ist eine Art "intelligenter Assistent", der uns hilft, unsere Scheuklappen abzunehmen.

Wie KI den Egocentric Bias konkret bekämpft

 

1. Durch datengestützte Objektivität


Anstatt sich auf das Bauchgefühl oder die persönliche Erfahrung eines Einzelnen zu verlassen, analysieren KI-Tools die harten Fakten.

Beispiel Software-Auswahl:
Eine KI kann das tatsächliche Nutzungsverhalten von hunderten Mitarbeitern in einer Testphase analysieren. Statt der subjektiven Meinung des Abteilungsleiters ("Ich finde das Tool super!") liefert die KI eine Auswertung: "75 % der Nutzer aus Abteilung X haben Funktion Y ignoriert, während 90 % der Nutzer aus Abteilung Z täglich Funktion A verwenden."

Diese Daten schaffen eine objektive Grundlage für eine Entscheidung, die dem ganzen Unternehmen dient.

 

2. Durch die Einbeziehung verschiedener Perspektiven


Moderne B2B-Kaufentscheidungen werden selten allein getroffen. Ein sogenanntes "Buying Center" besteht aus Personen verschiedener Abteilungen. KI kann helfen, all diese unterschiedlichen Anforderungen unter einen Hut zu bekommen.

Beispiel Lieferantenauswahl:
KI-gestützte Beschaffungsplattformen können einen Lieferanten anhand von hunderten Kriterien bewerten – von Preis und Liefertreue über Nachhaltigkeitszertifikate bis hin zu Kundenbewertungen aus verschiedenen Branchen. Die KI kann dann eine Rangliste erstellen, die auf den gesamten* Anforderungen des Unternehmens basiert, nicht nur auf der Präferenz des Einkäufers. So wird sichergestellt, dass die Perspektive der Rechtsabteilung (Vertragskonditionen), der Produktion (Materialqualität) und der Finanzabteilung (Zahlungsziele) gleichermaßen einfließt.

 

3. Durch personalisierte Informationsaufbereitung


Jeder im Buying Center hat andere Prioritäten. Eine KI kann Informationen so aufbereiten, dass sie für jede Rolle relevant sind.

Beispiel Anschaffung einer neuen Maschine: Ein KI-System kann dem Produktionsleiter eine Analyse der technischen Leistungsdaten und der Ausfallwahrscheinlichkeit präsentieren. Dem CFO zeigt es eine Berechnung des Return on Investment (ROI) und der langfristigen Betriebskosten. Der Marketing-Leiterin liefert es vielleicht Informationen darüber, wie die neue Maschine nachhaltigere Produkte ermöglicht, was als Verkaufsargument genutzt werden kann. So erhält jeder die für seine Perspektive wichtigsten Informationen, was zu einer fundierteren und ausgewogeneren Gesamtentscheidung führt.

 

Die Macht der Daten: Eine Studie bestätigt den Trend


Die Verlagerung hin zu datengestützten Entscheidungen ist mehr als nur eine Theorie.

Eine globale Studie von Signal AI unter 1.000 Führungskräften unterstreicht diese Entwicklung eindrucksvoll.

Die Ergebnisse zeigen:

  • 96 % der befragten Führungskräfte glauben, dass KI-gestützte Entscheidungsfindung die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, verändern wird.
  • 80 % fühlen sich von der schieren Menge an Daten, die sie bei Entscheidungen berücksichtigen müssen, überfordert.
  • 69 % nannten Daten als den größten Einflussfaktor für ihre Geschäftsentscheidungen – noch vor der eigenen Intuition.

Diese Zahlen zeigen deutlich:

In einer immer komplexeren Geschäftswelt ist das Bauchgefühl allein nicht mehr ausreichend. Führungskräfte erkennen, dass sie Werkzeuge benötigen, die ihnen helfen, die Datenflut zu bewältigen und objektivere, klügere Entscheidungen zu treffen.

KI ist genau dieses Werkzeug.

 

Praktische Tipps für den Einsatz von KI im Einkauf


Wie können Sie also konkret starten?

  1. Fangen Sie klein an:
    Identifizieren Sie einen wiederkehrenden Kaufprozess, der oft zu Diskussionen führt. Nutzen Sie hierfür zum Beispiel ein KI-gestütztes Analyse-Tool, um Marktdaten objektiv zu vergleichen.
  2. Nutzen Sie KI im Team:
    Führen Sie kollaborative Plattformen ein, die KI nutzen, um die Anforderungen und das Feedback aller Beteiligten zentral zu sammeln und auszuwerten.
  3. Datenqualität sicherstellen:
    KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Sorgen Sie dafür, dass Ihre internen Daten (z. B. aus dem CRM oder ERP-System) sauber und aktuell sind.
  4. Mensch und Maschine im Einklang:
    Verstehen Sie KI als Unterstützung, nicht als Ersatz. Die finale Entscheidung und die strategische Einordnung sollten immer bei den menschlichen Experten liegen.

Fazit


Der Egocentric Bias ist eine tief menschliche Eigenschaft, die wir nicht einfach "abschalten" können. Im B2B-Einkauf kann diese ich-bezogene Sichtweise jedoch zu kostspieligen Fehlern führen. Künstliche Intelligenz bietet uns eine historische Chance, diesen blinden Fleck auszuleuchten.

Indem sie objektive Daten analysiert, verschiedene Perspektiven zusammenführt und Informationen rollengerecht aufbereitet, agiert die KI als neutraler und logischer Berater. Sie befreit uns von den Fesseln unserer eigenen, begrenzten Wahrnehmung und ermöglicht Entscheidungen, die nicht nur für eine Person, sondern für das gesamte Unternehmen smarter sind. Der Weg zu besseren B2B-Entscheidungen ist also nicht, menschlicher zu werden, sondern unsere Menschlichkeit durch intelligente Technologie gezielt zu ergänzen.



Gleich noch einen Blogbeitrag lesen:
Ein professionell geplanter Messebesuch ist eine lohnende Investition für jeden B2B-Einkäufer. Durch eine klare Zielsetzung, eine strukturierte Vorbereitung, ein effizientes Vorgehen vor Ort und eine konsequente Nachbereitung maximieren Sie Ihren Erfolg.
Sie legen den Grundstein für neue, langfristige und erfolgreiche Geschäftsbeziehungen. Sehen Sie eine Messe als strategische Chance, Ihr Lieferantennetzwerk zu optimieren und Ihr Unternehmen voranzubringen.


Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf

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