Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus. Jeder Baustein muss perfekt sitzen, jede Lieferung pünktlich ankommen.
Doch was passiert, wenn der falsche Zement geliefert wird oder eine Bestellung verloren geht?
Im Einkauf eines Unternehmens ist es ganz ähnlich. Kleine Fehler können hier große Wellen schlagen und am Ende viel Geld und Zeit kosten.
Doch anstatt bei Fehlern den Schuldigen zu suchen, gibt es einen besseren Weg: eine offene und positive Fehlerkultur. 💡
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum gerade im Einkauf eine gute Fehlerkultur so wichtig ist, welche typischen Fehler passieren und wie wir sie in Chancen
für Verbesserung und Innovation verwandeln können.
Was ist eine Fehlerkultur eigentlich?
Eine Fehlerkultur beschreibt, wie ein Unternehmen mit Fehlern und Problemen umgeht.
In einer negativen Fehlerkultur werden Fehler oft vertuscht, aus Angst vor Ärger oder sogar Bestrafung.
Man sucht einen Sündenbock, anstatt die eigentliche Ursache zu finden.
Das Ergebnis: Die gleichen Fehler passieren immer wieder.
Eine positive Fehlerkultur hingegen sieht Fehler als das, was sie sind: eine Chance zu lernen.
Anstatt zu fragen "Wer war das?", lautet die zentrale Frage: "Warum ist das passiert und wie können wir es in Zukunft besser machen?". Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeiter trauen, offen über Pannen zu sprechen, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen.
Dies fördert nicht nur das Lernen, sondern auch die Kreativität und das Engagement des gesamten Teams.
Warum ist eine positive Fehlerkultur im Einkauf so entscheidend?
Der Einkauf ist das Herzstück vieler Unternehmen. Er versorgt die Produktion mit Materialien, stellt sicher, dass Büros ausgestattet sind und managt die Beziehungen zu unzähligen Lieferanten.
Hier werden täglich wichtige Entscheidungen getroffen, die direkte Auswirkungen auf die Kosten, die Qualität der Produkte und die Lieferfähigkeit des gesamten
Unternehmens haben. Die Risiken sind vielfältig und reichen von Lieferantenausfällen über Preisschwankungen bis hin zu Qualitätsproblemen.
In einem so komplexen und dynamischen Umfeld sind Fehler quasi vorprogrammiert.
Eine Kultur, die diese Fehler unter den Teppich kehrt, ist daher besonders gefährlich. Sie führt dazu, dass Risiken zu spät erkannt und Probleme nicht nachhaltig gelöst werden.
Eine offene Fehlerkultur wirkt hier wie ein Frühwarnsystem und ist ein wesentlicher Bestandteil eines guten Risikomanagements.
Typische Fehler im Einkauf und wie eine offene Kultur hilft
Schauen wir uns einige klassische Stolpersteine im Einkauf an und wie eine positive Fehlerkultur dabei hilft, sie in Sprungbretter für Verbesserungen zu verwandeln.
Die TCO-Falle – Am falschen Ende gespart 💸
Ein häufiger Fehler ist die alleinige Konzentration auf den niedrigsten Einkaufspreis.
Dabei werden die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) übersehen.
Dazu gehören auch Lieferkosten, Wartung, Energieverbrauch oder Entsorgung.
Der Stolperstein:
Ein Einkäufer entscheidet sich für eine Maschine, weil sie in der Anschaffung 15 % günstiger ist als das Konkurrenzprodukt.
Nach einem Jahr stellt sich heraus, dass die Energiekosten der Maschine extrem hoch sind und sie häufig gewartet werden muss. Die anfängliche Ersparnis hat sich in hohe Folgekosten verwandelt. In
einer angstgeprägten Kultur würde der Einkäufer diesen Fehler vielleicht verschweigen, um keine Kritik zu ernten.
Das Sprungbrett mit positiver Fehlerkultur:
In einem offenen Umfeld kann der Einkäufer den Fall transparent im Team vorstellen. Statt Vorwürfen gibt es eine gemeinsame Analyse: Warum wurden die TCO nicht berücksichtigt? Fehlte das Wissen,
die Zeit oder die richtigen Werkzeuge für die Analyse? Das Team könnte daraus lernen und eine Checkliste für zukünftige Investitionsentscheidungen entwickeln, die eine TCO-Analyse standardmäßig
vorsieht. So wird ein individueller Fehler zur kollektiven Lernchance und optimiert den Prozess für alle zukünftigen Beschaffungen.
Single Sourcing – Alles auf eine Karte gesetzt 🎲
Sich von einem einzigen Lieferanten abhängig zu machen (Single Sourcing), ist ein enormes Risiko.
Fällt dieser Lieferant aus, kann die eigene Produktion stillstehen.
Der Stolperstein:
Ein Unternehmen bezieht einen wichtigen Rohstoff seit Jahren von einem einzigen, zuverlässigen Lieferanten. Plötzlich meldet dieser Lieferant Insolvenz an. Panik bricht aus, denn es gibt keine
Alternative. Die Produktion steht still, Aufträge können nicht erfüllt werden.
Das Sprungbrett mit positiver Fehlerkultur:
Anstatt den verantwortlichen Einkäufer an den Pranger zu stellen, wird die Situation als Weckruf für das gesamte Unternehmen genutzt. Man analysiert gemeinsam, warum diese Abhängigkeit entstanden ist. War es Bequemlichkeit? Fehlende Markttransparenz? Als Konsequenz wird ein strategisches Risikomanagement für Lieferanten eingeführt. Künftig werden für alle kritischen Materialien mindestens zwei Lieferanten qualifiziert (Dual Sourcing). Der Fehler führt also nicht zu Schuldzuweisungen, sondern zu einer robusteren und widerstandsfähigeren Lieferkette.
Maverick Buying – Am Einkauf vorbei bestellt 🛒
Wenn Fachabteilungen eigenmächtig bestellen, ohne den Einkauf einzubeziehen ("Maverick Buying"), geht der Überblick über Ausgaben und vereinbarte Konditionen verloren.
Der Stolperstein:
Die IT-Abteilung bestellt neue Laptops direkt bei einem Online-Händler, weil es schnell gehen muss. Dabei übersieht sie, dass der Einkauf einen Rahmenvertrag mit einem anderen Anbieter hat, der
nicht nur bessere Preise, sondern auch zusätzliche Serviceleistungen wie Garantieerweiterungen bietet.
Das Sprungbrett mit positiver Fehlerkultur:
Anstatt die IT-Abteilung zu rügen, sucht der Einkauf das Gespräch. Warum wurde am Prozess vorbei bestellt? War der offizielle Bestellweg zu kompliziert oder zu langsam? Gemeinsam wird der Beschaffungsprozess analysiert und optimiert. Vielleicht führt dies zur Einführung eines einfachen E-Procurement-Systems, über das alle Abteilungen schnell und unkompliziert auf die ausgehandelten Konditionen zugreifen können. Der Fehler wird so zum Auslöser für eine Prozessoptimierung, die dem ganzen Unternehmen zugutekommt.
Praktische Tipps: Wie etabliert man eine positive Fehlerkultur im Einkauf?
Eine solche Kultur entsteht nicht über Nacht. Sie erfordert Zeit, Geduld und vor allem das Engagement der Führungskräfte.
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Führungskräfte als Vorbild:
Wenn die Leitung offen über eigene Fehler spricht und zeigt, was sie daraus gelernt hat, schafft das Vertrauen und senkt die Hemmschwelle für andere.
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Psychologische Sicherheit schaffen:
Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, Fehler zugeben zu können, ohne dafür verurteilt oder bestraft zu werden.
Regelmäßige Team-Meetings, in denen offen über Herausforderungen und "Learnings" gesprochen wird, können helfen.
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Fokus auf Lösungen, nicht auf Schuld:
Etablieren Sie Prozesse zur Fehleranalyse, wie die "5-Why-Methode".
Dabei wird so lange nach dem "Warum" gefragt, bis die eigentliche Wurzel des Problems gefunden ist.
-
Fehler als Chance kommunizieren:
Feiern Sie Lernerfolge, die aus Fehlern resultieren.
Wenn eine Prozessverbesserung auf die Analyse eines Fehlers zurückgeht, sollte dies positiv hervorgehoben werden.
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Mitarbeiter schulen und befähigen:
Geben Sie Ihrem Team die notwendigen Werkzeuge und das Wissen an die Hand, um Risiken besser einschätzen und fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Fazit: Mut zum Fehler macht den Einkauf stark
Eine positive Fehlerkultur im Einkauf ist kein "Nice-to-have", sondern ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg.
Sie ist die Basis für kontinuierliche Verbesserung, besseres Risikomanagement und stärkt die Innovationskraft.
Indem wir Fehler nicht als peinliche Pannen, sondern als wertvolle Lektionen betrachten, verwandeln wir Stolpersteine in Sprungbretter, die den
Einkauf – und damit das ganze Unternehmen – nach vorne bringen.
Was denken Sie?
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Umgang mit Fehlern im beruflichen Alltag gemacht?
Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren!
Weiterführende Links
- impulse: Einkauf optimieren: Diese 8 Fehler beim Einkauf können teuer werden
- Hiscox: Fehlerkultur im Unternehmen: Beispiele & Tipps
- TÜV Seminare: Risikomanagement im Einkauf
Zu guter Fehlerkultur gehört, dass man zum einen bekannte Fehler vermeidet. Den gleichen Blödsinn nie 2x macht. Wobei, man darf auch von den Fehlern anderer lernen.
In der digitalen Welt gibt es ein Wettrennen, wer gerade die Nase vorn hat. Cybersecurity ist daher ein ganz wesentliches Thema, das wir im folgenden Blogbeitrag betrachten.
Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf.

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