Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer wichtigen Preisverhandlung mit einem Lieferanten. Die Forderungen sind hoch, der Druck steigt.
Was tun Sie, wenn Sie an den Punkt kommen, an dem ein "Ja" zu den aktuellen Konditionen für Sie nicht mehr tragbar ist?
Genau hier kommt die BATNA-Strategie ins Spiel – Ihr unsichtbarer, aber mächtiger Hebel für bessere Verhandlungsergebnisse.
Was bedeutet BATNA eigentlich? 🤔
BATNA ist ein Akronym und steht für „Best Alternative To No Agreement“.
Auf Deutsch bedeutet das so viel wie: die beste Alternative, die Ihnen zur Verfügung steht, falls eine Verhandlung scheitert. Entwickelt wurde dieses Konzept von den Verhandlungsforschern Roger
Fisher und William Ury an der Harvard University.
Einfach ausgedrückt: Ihre BATNA ist Ihr Plan B. Es ist nicht einfach nur eine vage Idee, sondern eine konkrete, durchdachte Handlungsoption, die Sie
umsetzen können, wenn Sie den Verhandlungstisch ohne Einigung verlassen.
Warum ist eine starke BATNA im B2B-Einkauf so entscheidend?
Im professionellen Einkauf geht es um mehr als nur darum, den niedrigsten Preis zu erzielen.
Es geht um die Sicherung von Lieferketten, Qualität und langfristigen Partnerschaften.
Eine starke BATNA ist dabei aus mehreren Gründen Ihr wichtigstes Werkzeug:
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Sie verleiht Ihnen Verhandlungsmacht:
Wer eine gute Alternative in der Hinterhand hat, ist nicht auf einen Abschluss um jeden Preis angewiesen. Diese Unabhängigkeit ist die größte Quelle für Stärke in jeder Verhandlung.
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Sie schützt vor schlechten Deals:
Ihre BATNA ist Ihr persönlicher Maßstab. Jedes Angebot, das auf dem Tisch liegt, muss besser sein als Ihre beste Alternative. Ist es das nicht, können Sie selbstbewusst „Nein“ sagen, ohne zu befürchten, am Ende mit leeren Händen dazustehen.
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Sie stärkt Ihr Selbstvertrauen:
Zu wissen, dass Sie eine realistische Ausweichmöglichkeit haben, macht Sie gelassener und souveräner.
Sie verhandeln aus einer Position der Stärke, nicht der Verzweiflung.
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Sie definiert Ihren Ausstiegspunkt:
Die BATNA hilft Ihnen, klar zu erkennen, wann es sinnvoller ist, eine Verhandlung abzubrechen, anstatt unvorteilhaften Bedingungen zuzustimmen.
Eine Studie zum Thema Verhandlungsverhalten hat gezeigt, dass allein das Wissen um eine vorhandene Alternative die eigene Verhandlungsführung positiv beeinflusst und zu besseren Ergebnissen führt.
Interessanterweise zeigte die gleiche Studie aber auch: Eine schwache oder schlecht durchdachte Alternative kann sich sogar negativ auswirken und die eigene Position schwächen, da man sich fälschlicherweise sicher fühlt (Quelle: Studie zum Verhandlungsexperiment, zitiert auf "so ticken Verhandlungsprofis"). Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die eigene BATNA sorgfältig und realistisch zu entwickeln.
So entwickeln Sie Ihre BATNA in 4 Schritten
Eine überzeugende BATNA fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung und strategischer Planung. Experten empfehlen, deutlich mehr Zeit in die Vorbereitung als in
die eigentliche Verhandlung zu investieren.
Schritt 1: Brainstorming – Sammeln Sie alle denkbaren Alternativen brainstorm
Was könnten Sie tun, wenn die aktuelle Verhandlung platzt?
Setzen Sie sich mit Ihrem Team zusammen und listen Sie alle denkbaren Optionen auf. In dieser Phase ist Kreativität gefragt. Denken Sie über den Tellerrand hinaus.
Beispiel für den Einkauf:
- Zu einem anderen Lieferanten wechseln (Second Source).
- Die benötigten Teile oder Dienstleistungen selbst herstellen (Make-or-Buy).
- Das Projekt aufschieben oder die Anforderungen ändern.
- Eine Kooperation mit einem anderen Unternehmen eingehen.
- Den aktuellen Vertrag (falls vorhanden) einfach weiterlaufen lassen.
Schritt 2: Realitäts-Check – Bewerten und konkretisieren Sie die Optionen 🧐
Nun geht es darum, die gesammelten Ideen auf ihre Machbarkeit zu prüfen.
Streichen Sie unrealistische Optionen und arbeiten Sie die vielversprechendsten weiter aus.
Stellen Sie sich kritische Fragen:
- Gibt es den alternativen Lieferanten wirklich und kann er unsere Qualitäts- und Mengenstandards erfüllen?
- Welche Kosten und welcher Zeitaufwand wären mit einem Lieferantenwechsel verbunden (Onboarding, Qualifizierung etc.)?
- Haben wir das Know-how und die Kapazitäten für eine Eigenfertigung?
- Was sind die Konsequenzen, wenn wir das Projekt verschieben?
Schritt 3: Die aussichtsreichste Alternative auswählen 🏆
Nach der Bewertung wählen Sie die Option aus, die für Ihr Unternehmen unter dem Strich den größten Vorteil bringt.
Das ist nicht immer nur die billigste, sondern die insgesamt wirtschaftlichste und sicherste Lösung. Berücksichtigen Sie dabei auch Faktoren wie Lieferzeit, Qualität, Zuverlässigkeit und langfristige strategische Ziele.
Diese ausgewählte, stärkste Option ist Ihre BATNA.
Schritt 4: Die BATNA stärken 💪
Ihre BATNA ist nicht in Stein gemeißelt. Oft lässt sie sich noch verbessern.
Je attraktiver Ihre Alternative ist, desto mehr Druck können Sie in der Verhandlung aufbauen.
Beispiel:
Sie haben ein Angebot von Lieferant B. Bitten Sie ihn um verbindliche Details, bessere Konditionen oder eine schnellere Lieferzusage. Jede Verbesserung von Lieferant B stärkt Ihre Verhandlungsposition gegenüber Lieferant A.
Die BATNA in der Praxis: Ein konkretes Beispiel
Stellen Sie sich vor, Sie sind Einkäufer bei einem mittelständischen Maschinenbauer und verhandeln den Jahresvertrag für eine wichtige Komponente mit Ihrem langjährigen Stammlieferanten. Dieser
fordert eine Preiserhöhung von 15 %.
-
Ohne BATNA:
Sie sind unter Druck. Sie wissen, dass ein Produktionsstopp droht, wenn Sie sich nicht einigen. Wahrscheinlich akzeptieren Sie zähneknirschend eine hohe Preiserhöhung, vielleicht 10-12 %. -
Mit einer starken BATNA:
In der Vorbereitung haben Sie bereits einen alternativen Lieferanten ausfindig gemacht. Dieser hat Ihre Tests bestanden und bietet Ihnen die Komponente zu einem Preis an, der nur 5 % über dem alten Preis liegt. Diese Alternative ist Ihre BATNA.
In der Verhandlung können Sie nun selbstbewusst auftreten. Sie können die 15 %-Forderung ablehnen und argumentieren, dass alles über 5 % für Sie wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, da Sie dann den Lieferanten wechseln würden. Das Ergebnis: Ihr Stammlieferant wird seine Forderung mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich reduzieren müssen, um Sie als Kunden nicht zu verlieren. Sie haben sich einen signifikanten Vorteil erarbeitet.
Sollte man seine BATNA offenlegen?
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt (sprich ... da sind sich die Experten nicht einig).
Die allgemeine Regel lautet:
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Wenn Ihre BATNA stark ist:
Deuten Sie sie an, ohne aggressiv zu wirken. Sätze wie „Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen“ oder „Wir haben bereits ein alternatives, unterschriftsreifes Angebot vorliegen“ können den Druck auf die Gegenseite erhöhen. -
Wenn Ihre BATNA schwach ist:
Behalten Sie sie für sich. Wer seine Schwäche offenbart, macht sich erpressbar.
Konzentrieren Sie sich stattdessen auf andere Aspekte der Verhandlung.
Fazit: Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg
Die BATNA-Strategie ist weit mehr als nur eine Verhandlungstaktik – sie ist das Fundament einer professionellen und strategischen Einkaufsvorbereitung. Indem Sie Ihre beste Alternative kennen,
bewerten und stärken, verwandeln Sie Unsicherheit in Souveränität. Sie schützen Ihr Unternehmen vor unvorteilhaften Abschlüssen und schaffen die Grundlage für Deals, die nicht nur den Preis,
sondern den Gesamtwert für Ihr Unternehmen optimieren.
Wer seine BATNA kennt, verhandelt nicht nur besser – er gewinnt.
Weiterführende Links
- Program on Negotiation at Harvard Law School: BATNA
- Verhandlungstraining für den Einkauf: Strategien und Taktiken
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Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf

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