Die Welt des Industrieeinkaufs gleicht einem Schiff auf hoher See. Ständig ändern sich die Winde und Strömungen, und wer nicht schnell genug das Segel neu setzt, verliert den Anschluss. Für das
Jahr 2025 zeichnen sich einige besonders große Wellen ab, die selbst erfahrenen Einkäufern Kopfzerbrechen bereiten. Geopolitische Spannungen, der unaufhaltsame Vormarsch der Digitalisierung und
der wachsende Druck, nachhaltig zu wirtschaften, stellen die Beschaffungsabteilungen vor enorme Herausforderungen.
Doch was sind die drängendsten Probleme, die auch im kommenden Jahr noch auf eine Lösung warten? Wir haben uns die aktuellen Entwicklungen genau angesehen und die Top 3 ungelösten
Herausforderungen für den Industrieeinkauf 2025 identifiziert.

Problem 1: Die fragile Lieferkette – Ein Kartenhaus im Sturm 🌪️
Die letzten Jahre haben es uns schmerzlich vor Augen geführt:
Unsere globalen Lieferketten sind anfälliger als gedacht.
Was einst für maximale Effizienz und Kosteneinsparung optimiert wurde, entpuppt sich heute als strategischer Schwachpunkt. Politische Konflikte, Handelsbarrieren, Naturkatastrophen oder
Cyber-Angriffe können die fein abgestimmten Netzwerke jederzeit zum Erliegen bringen. Unternehmen berichten nach wie vor von erheblichen Beeinträchtigungen durch Lieferkettenengpässe.
Was bedeutet das konkret?
Stellen Sie sich einen Automobilhersteller vor. Ein spezialisierter Chip, der nur von einem einzigen Anbieter in Asien produziert wird, fällt plötzlich aus. Die Folge: Ganze Produktionsbänder
stehen still, Liefertermine für Neufahrzeuge verzögern sich um Monate, und der finanzielle Schaden geht in die Millionen. Dieses Szenario ist keine Seltenheit mehr. Die Abhängigkeit von einzelnen
Lieferanten oder Regionen wird zu einem unkalkulierbaren Risiko.
Warum ist das Problem ungelöst?
Viele Unternehmen haben zwar begonnen, ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen, doch dieser Prozess ist komplex und langwierig. Eine echte Lösung erfordert mehr als nur die Suche nach
alternativen Lieferanten. Es geht darum, ein völlig neues Verständnis von Risikomanagement zu entwickeln. Statt nur auf Kosten zu achten, müssen Einkäufer nun auch die geopolitische Lage, die
finanzielle Stabilität von Partnern und sogar deren Cybersicherheit bewerten. Der Aufbau resilienter, diversifizierter und regionaler Lieferketten kostet Zeit und Geld – Ressourcen, die nicht
jedes Unternehmen im Überfluss hat.
Praktische Tipps:
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Risikoanalyse:
Bewerten Sie Ihre wichtigsten Lieferanten und identifizieren Sie kritische Abhängigkeiten.
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Diversifizierung:
Suchen Sie aktiv nach alternativen Lieferanten in verschiedenen geografischen Regionen, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
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Partnerschaften stärken:
Bauen Sie enge und vertrauensvolle Beziehungen zu Ihren wichtigsten Partnern auf.
Ein offener Austausch kann helfen, Krisen frühzeitig zu erkennen.
Problem 2: Der Dschungel der Nachhaltigkeit – Mehr als nur ein grüner Anstrich 🌳
Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr.
Kunden, Investoren und nicht zuletzt der Gesetzgeber fordern von Unternehmen, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen. Für den Einkauf bedeutet das eine gewaltige Aufgabe. Er muss
sicherstellen, dass Produkte und Rohstoffe nicht nur preiswert und qualitativ hochwertig sind, sondern auch unter fairen und umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt werden.
Was bedeutet das konkret?
Denken Sie an ein Modeunternehmen, das Baumwolle für seine T-Shirts einkauft. Früher zählte vor allem der Preis. Heute muss der Einkäufer nachweisen können, dass die Baumwolle ohne Kinderarbeit
geerntet wurde, die Feldarbeiter fair bezahlt werden und beim Anbau auf schädliche Pestizide verzichtet wird. Diese Informationen zu beschaffen und zu überprüfen, ist extrem aufwendig. Neue
EU-Vorgaben wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) schaffen einen regelrechten Dschungel an Vorschriften.
Warum ist das Problem ungelöst?
Das Kernproblem ist die mangelnde Transparenz in den Lieferketten. Oftmals wissen Unternehmen nicht genau, woher ihre Rohstoffe stammen und unter welchen Bedingungen sie verarbeitet wurden. Die
geforderten Nachweise bis zum Ursprung zu erbringen, überfordert viele Einkaufsabteilungen. Es fehlen einheitliche Standards und die nötigen digitalen Werkzeuge, um Tausende von Datenpunkten
effizient zu sammeln und auszuwerten. Der Einkauf muss sich vom reinen Kostenmanager zum Treiber für Nachhaltigkeit entwickeln – ein Wandel, der tiefgreifende Veränderungen in Strategie und
Prozessen erfordert.
Praktische Tipps:
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Transparenz schaffen:
Nutzen Sie digitale Plattformen, um Ihre Lieferkette transparent zu machen und Daten zur Nachhaltigkeit systematisch zu erfassen.
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Lieferanten einbinden:
Arbeiten Sie eng mit Ihren Lieferanten zusammen, um gemeinsame Nachhaltigkeitsziele zu definieren und umzusetzen.
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Prioritäten setzen:
Analysieren Sie, welche Nachhaltigkeitsaspekte (z.B. CO2-Emissionen, soziale Standards) für Ihre Branche und Ihre Produkte am wichtigsten sind, und konzentrieren Sie Ihre Bemühungen darauf.
Problem 3: Die digitale Lücke – Zwischen KI-Hype und Excel-Realität 💻
Die Digitalisierung verspricht, den Einkauf zu revolutionieren. Künstliche Intelligenz (KI) soll bei Ausschreibungen helfen, Datenanalysen die besten Lieferanten finden und automatisierte
Prozesse Routineaufgaben übernehmen. Die Vision ist eine voll vernetzte, datengesteuerte und hocheffiziente Beschaffung – der sogenannte Einkauf 4.0.
Was bedeutet das konkret?
Ein Einkäufer möchte den Bedarf an einem bestimmten Bauteil für das nächste Quartal planen. Im Idealfall analysiert eine KI-Software historische Daten, aktuelle Markttrends und sogar
Wetterprognosen, um eine präzise Vorhersage zu erstellen. Das System bestellt dann automatisch die richtige Menge zum optimalen Zeitpunkt. Die Realität sieht in vielen Unternehmen jedoch anders
aus: Der Einkäufer jongliert mit unzähligen Excel-Tabellen, telefoniert Lieferanten ab und trifft Entscheidungen oft auf Basis seines Bauchgefühls.
Warum ist das Problem ungelöst?
Trotz des Hypes klafft eine große Lücke zwischen den technologischen Möglichkeiten und der gelebten Praxis. Viele, insbesondere mittelständische Unternehmen, haben zwar erste Schritte in der
Digitalisierung gemacht, doch der Weg zu einer vollständig vernetzten Beschaffung ist noch weit. Die größten Hürden sind die Komplexität der Systeme, die unzureichende Datenqualität und der
Mangel an Fachwissen in den Teams. Die Einführung neuer Technologien erfordert nicht nur hohe Investitionen, sondern auch ein Umdenken in der gesamten Organisation und eine intensive Schulung der
Mitarbeiter. Der Einkauf muss digitaler und strategischer werden, doch oft fehlt es an Zeit und Ressourcen, um diesen Wandel konsequent voranzutreiben.
Praktische Tipps:
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Klein anfangen:
Starten Sie mit der Digitalisierung einzelner, klar definierter Prozesse, wie z. B. der Rechnungsprüfung oder dem Bestellwesen.
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Daten aufräumen:
Sorgen Sie für eine saubere und einheitliche Datenbasis.
Nur mit qualitativ hochwertigen Daten können digitale Werkzeuge ihre Stärken ausspielen.
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Mitarbeiter mitnehmen:
Investieren Sie in die Schulung und Weiterbildung Ihres Teams.
Die beste Technologie nützt nichts, wenn niemand weiß, wie man sie bedient.
Fazit
Der Industrieeinkauf steht 2025 vor einem perfekten Sturm aus anfälligen Lieferketten, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und dem Druck zur Digitalisierung. Diese drei ungelösten Probleme
sind eng miteinander verknüpft und lassen sich nicht isoliert betrachten. Eine resiliente Lieferkette braucht digitale Transparenz, und nachhaltige Beschaffung ist ohne datengestützte Prozesse
kaum umsetzbar.
Die Lösung liegt in einem ganzheitlichen Wandel: Der Einkauf muss seine traditionelle Rolle als reiner Kostenoptimierer ablegen und sich zu einem strategischen Partner entwickeln, der Risiken
managt, Nachhaltigkeit vorantreibt und die digitale Transformation aktiv gestaltet. Das ist eine gewaltige Aufgabe, aber auch eine riesige Chance, den Wertbeitrag des Einkaufs für das gesamte
Unternehmen neu zu definieren.
Welche dieser Herausforderungen beschäftigt Sie in Ihrem Arbeitsalltag am meisten?
Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Gedanken in den Kommentaren!
Weiterführende Links
* Deloitte: Digitalisierung im Einkauf
Ok, soweit der Rückblick auf 2025 - wie wäre es mit folgendem Blogthema?
Mein Name ist Claus Angerhofer - ich bin Experte für Technologie, Einkauf und B2B Preisverhandlungen

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