Stell dir vor, du leitest ein mittelgroßes Unternehmen.
Jeden Tag bestellen deine Mitarbeiter verschiedene Dinge: neue Laptops für die IT, Stahlrohre für die Produktion, Kaffee für die Pausenräume und neue Bürostühle für die Verwaltung. Am Ende des
Jahres fließen Millionen von Euro an Hunderte verschiedene Lieferanten.
Doch wenn du dich fragst: „Wer kauft eigentlich was, bei wem und zu welchem Preis?“, herrscht oft ratloses Schweigen.
Die Daten liegen verstreut in verschiedenen Systemen, Excel-Tabellen oder sogar noch in Papierform in Ordnern.
Genau hier kommt ein Werkzeug ins Spiel, das im modernen B2B-Einkauf (Business-to-Business) unverzichtbar geworden ist:
der Spendcube (auf Deutsch oft „Ausgabenwürfel“ genannt). 📦
In diesem Artikel erklären wir dir ganz einfach und verständlich, was ein Spendcube ist, wie er funktioniert und warum er für Unternehmen ein echter Gamechanger ist.
Was ist ein Spendcube? Eine einfache Erklärung 🎲
Der Begriff „Spendcube“ setzt sich aus den englischen Wörtern „Spend“ (Ausgaben) und „Cube“ (Würfel) zusammen. Du kannst dir dieses Werkzeug tatsächlich wie einen dreidimensionalen Zauberwürfel vorstellen.
Anstatt jedoch Farben zu sortieren, sortiert der Spendcube alle Ausgaben eines Unternehmens nach drei entscheidenden Fragen:
- Was wird gekauft? (Die Warengruppen, z. B. IT-Zubehör, Rohstoffe, Logistikdienstleistungen)
- Bei wem wird gekauft? (Die Lieferanten)
- Wer kauft es ein? (Die internen Abteilungen, Standorte oder Tochtergesellschaften des Unternehmens)
Indem diese drei Fragen miteinander verknüpft werden, entsteht ein glasklares, dreidimensionales Bild der gesamten Unternehmensausgaben. Anstatt mühsam Hunderte von Rechnungen einzeln zu prüfen, reicht ein Blick auf den Spendcube, um sofort zu sehen, wohin das Geld fließt.
Warum brauchen Unternehmen dieses Werkzeug?
In vielen Unternehmen herrscht beim Einkaufen das sogenannte „Maverick Buying“ (wildes Einkaufen am System vorbei). Das bedeutet: Abteilungen bestellen eigenmächtig Dinge, ohne den offiziellen
Einkauf oder bestehende Rahmenverträge zu nutzen.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis:
Die „Müller GmbH“ hat drei Standorte in Deutschland.
- Standort A kauft Kugelschreiber beim Schreibwarenhändler um die Ecke für 1,50 Euro pro Stück.
- Standort B bestellt dieselben Stifte im Internet für 1,20 Euro.
- Standort C nutzt einen Großhändler und zahlt nur 0,80 Euro.
Ohne einen Spendcube fällt dieser Unterschied niemandem auf. Mit einem Spendcube sieht der Chefeinkäufer sofort: „Halt stop! Wir kaufen an drei Stellen das gleiche Produkt zu unterschiedlichen
Preisen. Wenn wir alle Stifte über Standort C bestellen, sparen wir sofort bares Geld!“
Der Spendcube deckt solche Ineffizienzen schonungslos auf. Er bringt Licht ins Dunkel des Beschaffungschaos.
Die drei Dimensionen des Würfels im Detail 🔍
Um den Spendcube optimal zu nutzen, muss man verstehen, wie seine drei Seiten zusammenarbeiten.
Schauen wir uns die Dimensionen genauer an:
1. Dimension: Die Warengruppen (Das „Was“)
Hier werden alle eingekauften Produkte und Dienstleistungen in Kategorien eingeteilt.
Das ist wichtig, damit man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Typische Kategorien sind:
-
Direktes Material:
Alles, was direkt in das eigene Produkt fließt (z. B. Motoren für einen Autobauer).
-
Indirektes Material:
Dinge, die für den Betrieb nötig sind, aber nicht im Endprodukt landen (z. B. Werkzeuge, Bürobedarf, Reinigungsmittel).
-
Dienstleistungen:
Beratung, Software-Lizenzen oder Handwerkerleistungen.
2. Dimension: Die Lieferanten (Das „Wer“)
Diese Dimension zeigt, an welche Firmen das Geld überwiesen wird. Oft stellt sich heraus, dass ein Unternehmen für dieselbe Produktgruppe (z. B.
Verpackungen) mit zehn verschiedenen Lieferanten zusammenarbeitet.
Durch die Bündelung auf zwei oder drei Hauptlieferanten lassen sich oft deutlich bessere Rabatte aushandeln.
3. Dimension: Die Bedarfsträger (Das „Wo“)
Hier wird analysiert, welche Abteilung oder welcher Standort das Geld ausgegeben hat.
Das hilft nicht nur bei der Budgetkontrolle, sondern zeigt auch, welche Standorte besonders effizient
einkaufen und von welchen man lernen kann.
Die Vorteile: Warum sich der Spendcube auszahlt 📈
Der Einsatz eines Spendcubes bietet Unternehmen enorme strategische und finanzielle Vorteile.
-
Bessere Verhandlungsposition:
Wenn du genau weißt, dass du im letzten Jahr für 500.000 Euro Stahl bei einem bestimmten Lieferanten gekauft hast, kannst du für das nächste Jahr viel selbstbewusster auftreten und Mengenrabatte einfordern.
-
Risikominderung:
Wenn du siehst, dass du von einem einzigen Lieferanten extrem abhängig bist, kannst du rechtzeitig nach Alternativen suchen, um Lieferengpässe zu vermeiden.
-
Prozessoptimierung:
Manueller Aufwand wird drastisch reduziert.
Statt tagelang Daten in Excel zusammenzusuchen, liefert die Software die Ergebnisse auf Knopfdruck.
Wissenschaftlicher Beleg für den Erfolg:
Dass sich systematische Ausgabenanalysen lohnen, ist auch wissenschaftlich bewiesen.
Eine Studie des renommierten Marktforschungsunternehmens Aberdeen Group zeigt, dass Unternehmen, die professionelle Werkzeuge zur Ausgabenanalyse (wie den Spendcube) einsetzen, ihre
Einkaufskosten im Durchschnitt um 5 % bis 12 % senken können (Quelle: Aberdeen Group / Spend Analysis Report).
Bei einem Einkaufsvolumen von 10 Millionen Euro entspricht das einer jährlichen Ersparnis von bis zu 1,2 Millionen Euro!
Wie entsteht ein Spendcube? In 4 Schritten zum Erfolg 🛠️
Ein Spendcube entsteht nicht von heute auf morgen.
Früher wurde er mühsam mit Excel-Tabellen gebaut – heute erledigen das smarte, oft KI-gestützte Software-Tools.
Der Prozess läuft meistens in vier Schritten ab:
Schritt 1: Datensammlung (Data Extraction)
Es werden alle Finanzdaten aus verschiedenen Quellen gesammelt.
Dazu gehören ERP-Systeme (wie SAP), Buchhaltungssoftware, Kreditkartendaten und sogar manuelle Rechnungen.
Schritt 2: Datenbereinigung (Data Cleansing)
In den Rohdaten gibt es oft Fehler. Lieferant „Siemens GmbH“ ist vielleicht mal als „Siemens AG“, „Siemens“ oder „Siemens Deutschland“ eingetragen. Die Software muss diese Dubletten erkennen und
zusammenführen.
Schritt 3: Klassifizierung (Classification)
Die Ausgaben werden den richtigen Warengruppen zugeordnet. Dafür werden oft internationale Standards wie eCl@ss
oder UNSPSC genutzt. Das ist wie ein gemeinsames Wörterbuch für alle Produkte weltweit.
Schritt 4: Visualisierung (Visualization)
Die Daten werden in einer interaktiven, dreidimensionalen Grafik – dem Spendcube – dargestellt.
Nun kann der Einkäufer per Mausklick tief in die Daten eintauchen (sogenanntes „Drill-Down“).
Praktische Tipps für den Einstieg 💡
Wenn dein Unternehmen überlegt, einen Spendcube einzuführen, solltest du folgende Tipps beachten:
-
Klein anfangen:
Versuche nicht, sofort alle Daten der letzten zehn Jahre perfekt zu ordnen.
Starte mit den wichtigsten Warengruppen oder einem einzelnen Standort und erweitere das System Schritt für Schritt.
-
Auf Datenqualität achten:
Das beste Werkzeug nützt nichts, wenn falsche Daten gefüttert werden (Prinzip: „Garbage in, garbage out“).
Investiere Zeit in die Bereinigung deiner Lieferantendaten.
-
Die Mitarbeiter mitnehmen:
Einkäufer müssen verstehen, warum der Spendcube eingeführt wird. Er ist kein Kontrollwerkzeug zur Überwachung der Mitarbeiter, sondern ein Hilfsmittel, das ihnen den Arbeitsalltag erleichtert und Erfolgserlebnisse schafft.
Fazit: Der Kompass für den modernen Einkauf 🧭
Der Spendcube ist weit mehr als nur eine nette Spielerei für Zahlenakrobaten. In einer Zeit, in der Lieferketten immer komplexer werden und Unternehmen unter hohem Kostendruck stehen, ist er der
Kompass für den strategischen Einkauf.
Er macht verborgene Kosten sichtbar, stärkt die Position in Verhandlungen mit Lieferanten und hilft dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Wer seine Ausgaben im Griff haben möchte, kommt an
diesem smarten Analyse-Werkzeug nicht vorbei. Der Weg vom Datenchaos zur strategischen Ersparnis war noch nie so anschaulich.
Weiterführende Links
- ASCM – Association for Supply Chain Management (Englisch)
- Ivalua - der Spend Cube
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