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Einkauf 4.0: Navigieren zwischen Excel-Realität und KI-Visionen


Willkommen in der Welt des Einkaufs, einem Bereich, der sich rasant wandelt. Früher war der Einkauf oft eine reine Bestellabteilung, heute ist er ein strategischer Erfolgsfaktor für Unternehmen. Doch wo steht der Einkauf wirklich im Jahr 2025? Auf der einen Seite sehen wir eine Arbeitswelt, die fest in Excel-Tabellen verwurzelt ist. Auf der anderen Seite hören wir täglich von den revolutionären Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI). 🤖

Dieser Artikel wirft einen genauen Blick auf dieses Spannungsfeld. Wir schauen uns an, warum Excel immer noch so beliebt ist, welche Grenzen es hat und wo die Reise mit KI hingeht. Es ist eine Reise zwischen der vertrauten, aber oft umständlichen Realität und einer vielversprechenden, aber auch komplexen Zukunft.

 

Grafik by NanoBanana, prompted by Claus Angerhofer
Grafik - Blick in den Spiegel - Wunsch und Realität

Die unverwüstliche Excel-Realität im Einkauf

 

Für viele Einkäufer ist Excel das tägliche Brot. Es ist flexibel, auf fast jedem Rechner verfügbar und die meisten wissen, wie man damit umgeht. Von einfachen Lieferantenlisten über Preisvergleiche bis hin zu komplexen ABC-Analysen – Excel ist ein wahres Multitalent. Man kann schnell mal eine Tabelle erstellen, Daten sortieren und mit Formeln Berechnungen anstellen.

Warum hält sich Excel so hartnäckig?

  • Vertrautheit:
    Viele Mitarbeiter sind seit Jahren im Umgang mit Excel geschult.
    Es gibt keine Lernkurve.
  • Flexibilität:
    Jede Analyse und jeder Report kann individuell gestaltet werden.
    Es gibt keine starren Vorgaben von einer Software.
  • Kosten:
    Excel ist in den meisten Office-Paketen enthalten und verursacht keine zusätzlichen Kosten.

Doch diese Flexibilität hat ihren Preis.
Je komplexer die Aufgaben werden, desto deutlicher zeigen sich die Nachteile.
Die manuelle Dateneingabe ist eine häufige Fehlerquelle. Ein kleiner Tippfehler in einer Formel kann zu falschen Entscheidungen und im schlimmsten Fall zu hohen Kosten führen.
Zudem sind Excel-Dateien oft Insellösungen. Das heißt, jeder Mitarbeiter oder jede Abteilung hat eigene Listen. Ein Austausch von Informationen ist schwierig und führt oft zu Datenchaos. Ab einer gewissen Datenmenge wird Excel langsam und unübersichtlich.

Stellen wir uns ein Beispiel vor:
Ein Einkäufer möchte die Ausgaben für einen bestimmten Lieferanten über die letzten fünf Jahre analysieren. Er muss sich die Daten aus verschiedenen alten Tabellen zusammensuchen, manuell zusammenfügen und hoffen, dass alle Angaben korrekt und vollständig sind. Das kostet enorm viel Zeit, die für wichtigere, strategische Aufgaben fehlt.

Ich habe in den 90'ern auch noch den Umgang mit Access (Datenbanksoftware von Microsoft gelernt). Damit sollen größere Datenmengen direkt vom Enduser verarbeitet werden. Hat sich allerdings nie durchgesetzt. Vermutlich ist der Umgang mit dem Programm doch zu komplex.

 

Der KI-Hype: Was steckt wirklich dahinter? 🧠


Parallel zur Excel-Welt sorgt die Künstliche Intelligenz für Schlagzeilen. KI ist nicht nur ein Modewort, sondern eine Technologie, die das Potenzial hat, den Einkauf von Grund auf zu verändern. Die sogenannte "Beschaffung 4.0" oder "Procurement 4.0" beschreibt genau diesen Wandel: die Digitalisierung und Automatisierung von Einkaufsprozessen durch moderne Technologien.

Aber was bedeutet das konkret?
KI im Einkauf ist kein Roboter, der den Menschen ersetzt. Vielmehr ist sie ein extrem schlauer Assistent, der riesige Datenmengen in kürzester Zeit analysieren kann, um Muster zu erkennen und Vorschläge zu machen.

Konkrete Anwendungsbeispiele für KI im Einkauf:

  • Automatisierte Dateneingabe:
    KI kann Rechnungen, Angebote und Verträge automatisch auslesen und die wichtigen Informationen in die richtigen Systeme eintragen. Das spart Zeit und vermeidet Fehler.
  • Intelligente Lieferantensuche:
    KI-Systeme können Tausende von potenziellen Lieferanten weltweit analysieren und den besten für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung vorschlagen – basierend auf Preis, Qualität, Lieferzeit und sogar Nachhaltigkeitskriterien.
  • Bedarfsprognosen:
    Durch die Analyse von Verkaufszahlen, Markttrends und sogar Wetterdaten kann KI vorhersagen, welche Produkte wann in welcher Menge benötigt werden. Das hilft, Lagerkosten zu senken und Engpässe zu vermeiden.
  • Risikomanagement:
    KI überwacht globale Lieferketten in Echtzeit. Droht ein Lieferant auszufallen, weil in seiner Region ein Sturm aufzieht oder politische Unruhen herrschen, schlägt das System Alarm und kann sogar alternative Lieferanten vorschlagen.
  • Unterstützung bei Verhandlungen:
    Eine KI kann alle bisherigen Preisverhandlungen und Marktdaten analysieren, um dem Einkäufer eine optimale Verhandlungsstrategie vorzuschlagen.


Diese Beispiele zeigen: KI nimmt dem Einkäufer nicht die Arbeit weg, sondern befreit ihn von repetitiven Routineaufgaben. Dadurch bleibt mehr Zeit für das, was Menschen am besten können: Beziehungen zu Lieferanten pflegen, komplexe Verhandlungen führen und strategische Entscheidungen treffen.

 

Der Weg in die Zukunft: Brücken bauen zwischen Excel und KI


Die Vision einer KI-gestützten Beschaffung ist verlockend. Doch der Weg dorthin ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen und von Excel auf KI umsteigen. Die größten Hürden sind oft:

  • Datenqualität:
    KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird.
    Oft sind die Daten über viele verschiedene Systeme und Excel-Listen verstreut und von schlechter Qualität.
  • Integration:
    Neue KI-Lösungen müssen in die bestehende IT-Landschaft (z.B. ERP-Systeme) integriert werden.
    Das ist oft technisch aufwendig.
  • Know-how:
    Mitarbeiter müssen geschult werden, um die neuen Werkzeuge sinnvoll nutzen zu können.
    Es braucht die Bereitschaft, alte Gewohnheiten aufzugeben.
  • Kosten:
    Die Einführung professioneller Einkaufssoftware und KI-Tools erfordert eine Anfangsinvestition.

Es geht also nicht darum, Excel von heute auf morgen zu verbannen. Der Übergang ist ein schrittweiser Prozess.

 

Praktische Tipps für den Einstieg

  1. Status Quo analysieren:
    Wo stehen wir? Welche Prozesse laufen gut, wo gibt es Probleme?
    Wo verlieren wir am meisten Zeit?

  2. Daten aufräumen:
    Beginnen Sie damit, Ihre Daten zu zentralisieren und zu säubern.
    Eine saubere Datenbasis ist die Grundlage für jede Digitalisierung.

  3. Klein anfangen:
    Starten Sie mit einem Pilotprojekt in einem überschaubaren Bereich.
    Das könnte zum Beispiel die Automatisierung der Rechnungsverarbeitung sein.

  4. Mitarbeiter mitnehmen:
    Erklären Sie Ihrem Team die Vorteile der neuen Tools.
    Bieten Sie Schulungen an und bauen Sie Ängste ab.
    Der Mensch bleibt im Mittelpunkt.

Fazit: Eine Reise, kein Sprint 🏁


Der Einkauf steckt mitten in einer spannenden Transformation. Die Excel-Realität ist heute noch Alltag, doch die KI-Visionen werden immer greifbarer und bieten enorme Chancen, den Einkauf effizienter, strategischer und krisenfester zu machen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, einen realistischen Mittelweg zu finden. Es geht nicht um ein "Entweder-Oder", sondern um ein schrittweises "Sowohl-als-Auch". 
Unternehmen, die heute damit beginnen, ihre Prozesse zu digitalisieren und sich für neue Technologien wie KI zu öffnen, werden morgen im Wettbewerb die Nase vorn haben. Es ist eine Reise, die Mut zur Veränderung erfordert, aber am Ende zu einem leistungsfähigeren und zukunftssicheren Einkauf führt.


Was denken Sie? Wo steht Ihr Unternehmen auf der Reise zwischen Excel und KI?
Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Gedanken in den Kommentaren!


Und im folgenden Blogbeitrag betrachten wir zum Jahresausklang die Top3 noch ungelösten Herausforderungen für den Industrieeinkauf:


Mein Name ist Claus Angerhofer - ich bin Experte für die Themenbereiche Technologie und Einkauf

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