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Checkliste Jahresverhandlung

Stellen Sie sich vor, Sie steigen in einen Boxring. In der einen Ecke stehen Sie, in der anderen Ihr wichtigster Lieferant. Es geht nicht um einen Kampf, aber es geht um viel: um Preise, Konditionen und die Zusammenarbeit für das gesamte nächste Jahr. Das ist die Jahresverhandlung im Einkauf. Wer hier unvorbereitet hingeht, hat schon fast verloren.

Jahresverhandlungen sind für jedes Unternehmen ein entscheidender Moment. Hier werden die Weichen für die zukünftige Profitabilität und Lieferfähigkeit gestellt. Ein guter Deal kann Tausende von Euro sparen, während ein schlechter das Budget unnötig belastet.

Aber keine Sorge! Eine erfolgreiche Verhandlung ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis exzellenter Vorbereitung. Mit unserer Checkliste führen wir Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Phasen, damit Sie souverän und bestens vorbereitet in Ihr nächstes Gespräch gehen.

Phase 1: Die Hausaufgaben – Datenanalyse und Informationsbeschaffung 📊

 

Bevor Sie überhaupt an ein Gespräch denken, müssen Sie Ihre Fakten kennen. Zahlen, Daten und Analysen sind Ihr stärkstes Fundament. Ohne sie verhandeln Sie im Nebel.

Die Vergangenheit analysieren

Schauen Sie sich das vergangene Jahr genau an.
Sammeln Sie alle relevanten Informationen zur Zusammenarbeit mit dem Lieferanten:

* Bestellvolumen: Wie viel haben Sie insgesamt bestellt? Gab es Schwankungen?

* Preisentwicklung: Wie haben sich die Preise im Laufe des Jahres entwickelt?
                                 Gab es Preiserhöhungen und waren diese gerechtfertigt?

* Liefertreue (On-Time Delivery): Wie pünktlich waren die Lieferungen?
                                 Jeder Verzug hat Ihr Unternehmen Zeit und vielleicht sogar Geld gekostet.

* Qualität: Wie hoch war die Reklamationsquote? Mussten Sie Waren zurückschicken?

> Beispiel: Sie stellen fest, dass Sie im letzten Jahr 20.000 Einheiten eines bestimmten Bauteils bestellt haben. Die Liefertreue lag aber nur bei 85 %, was zu drei Produktionsverzögerungen führte. Das ist ein starkes Argument, um über bessere Lieferkonditionen oder sogar einen Preisnachlass zu sprechen.

Den Lieferanten bewerten

Erstellen Sie eine Art Zeugnis für Ihren Lieferanten. Bewerten Sie ihn objektiv nach verschiedenen Kriterien:

* Zuverlässigkeit: Hält er, was er verspricht?

* Kommunikation: Wie schnell und hilfreich reagiert Ihr Ansprechpartner?

* Flexibilität: Konnte der Lieferant auf kurzfristige Änderungen oder Sonderwünsche reagieren?

* Innovation: Bringt der Lieferant neue Ideen oder Produktverbesserungen ein?

Eine solche Bewertung hilft Ihnen, Stärken und Schwächen klar zu benennen und zeigt dem Lieferanten, dass Sie seine Leistung genau beobachten.

Den Markt verstehen

Sie verhandeln nicht im luftleeren Raum. Was passiert außerhalb Ihres Unternehmens?

* Rohstoffpreise: Wie entwickeln sich die Preise für die relevanten Rohstoffe (z.B. Stahl, Kunststoff, Energie)?
                       Sinken die Preise am Weltmarkt, sollte Ihr Lieferant das an Sie weitergeben.

* Wettbewerber: Gibt es andere Anbieter, die das gleiche Produkt vielleicht günstiger oder in besserer Qualität anbieten?
                       Holen Sie sich Vergleichsangebote ein.

* Technologische Entwicklungen: Gibt es neue Technologien, die das Produkt oder den Herstellungsprozess verändern könnten?

> Tipp: Nutzen Sie Online-Ressourcen, Branchenberichte und Fachmessen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Wissen über den Markt ist ein mächtiger Hebel in jeder Verhandlung.

Phase 2: Die Strategie – Ziele definieren und Taktiken festlegen 🎯

 

Mit den Daten aus Phase 1 können Sie nun Ihre Strategie entwickeln.
Planloses Verhandeln führt selten zum Erfolg.
Sie brauchen klare Ziele und einen Plan, wie Sie diese erreichen wollen.

Konkrete Ziele setzen

Was genau wollen Sie erreichen? Formulieren Sie Ihre Ziele am besten nach der SMART-Methode:

* Spezifisch: Was genau soll verhandelt werden? (z.B. der Preis für Artikel X)

* Messbar: Woran erkennen Sie den Erfolg? (z.B. eine Preissenkung um 5 %)

* Attraktiv: Ist das Ziel erstrebenswert? (z.B. eine Einsparung von 15.000 €)

* Realistisch: Ist das Ziel erreichbar? (z.B. weil der Marktpreis gefallen ist)

* Terminiert: Bis wann soll das Ziel erreicht sein? (z.B. bis zum Ende des Gesprächs)

Legen Sie nicht nur ein Hauptziel (z.B. Preisreduktion) fest, sondern auch Nebenziele wie bessere Zahlungsbedingungen (z.B. 90 statt 60 Tage Zahlungsziel) oder kürzere Lieferzeiten.

Die eigene Schmerzgrenze kennen (und den Plan B)

Jede Verhandlung braucht Grenzen. Definieren Sie im Vorfeld:

1. Ihr Maximalziel: Das bestmögliche Ergebnis, das Sie anstreben.

2. Ihr Minimalziel: Das absolute Minimum, das Sie akzeptieren werden.

3. Ihre Schmerzgrenze (Walk-Away-Point): Der Punkt, an dem Sie die Verhandlung abbrechen, weil ein Deal keinen Sinn mehr ergibt.

Eng damit verbunden ist Ihr BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement), also Ihre beste Alternative, falls es zu keiner Einigung kommt. Das könnte ein Angebot eines anderen Lieferanten sein. Wer einen guten Plan B in der Tasche hat, verhandelt deutlich selbstbewusster.

> Beispiel: Ihr Ziel ist ein Preis von 8 € pro Stück. Ihr Minimalziel sind 8,50 €. Ihre Schmerzgrenze liegt bei 9 €. Ein anderer Lieferant bietet das Produkt für 9,20 € an. Das ist Ihr BATNA. Sie wissen also genau, ab wann es sich lohnt, den Tisch zu verlassen.

Das Verhandlungsteam zusammenstellen

Wer sitzt mit Ihnen am Tisch? Klären Sie die Rollen:

* Verhandlungsführer: Leitet das Gespräch.

* Experte: Jemand aus der Technik oder Qualitätskontrolle, der Fachfragen beantworten kann.

* Beobachter/Protokollant: Schreibt wichtige Punkte mit und achtet auf die Körpersprache der Gegenseite.

Eine klare Rollenverteilung verhindert, dass man sich gegenseitig ins Wort fällt und sorgt für einen professionellen Auftritt.

 

Phase 3: Die Vorbereitung des Gesprächs – Argumente und Unterlagen 📂

 

Jetzt geht es an den Feinschliff. Sie haben Ihre Daten und Ihre Strategie – nun bereiten Sie das eigentliche Gespräch vor.

Eine starke Argumentationskette aufbauen

Listen Sie alle Ihre Argumente auf, die Ihre Forderungen untermauern. Bringen Sie diese in eine logische Reihenfolge.

* Beginnen Sie mit Fakten (Lieferverzug, Qualitätsmängel).

* Beziehen Sie sich auf die Marktentwicklung (gefallene Rohstoffpreise).

* Stellen Sie einen Nutzen für den Lieferanten in Aussicht (höheres Bestellvolumen im nächsten Jahr).

Spielen Sie die Verhandlung gedanklich durch. Welche Gegenargumente könnte der Lieferant bringen? Bereiten Sie passende Antworten darauf vor.

Alle Unterlagen griffbereit haben

Erstellen Sie eine Verhandlungsmappe (digital oder auf Papier) mit allen wichtigen Informationen:

* Datenanalysen und Grafiken

* Lieferantenbewertung

* Marktberichte und Vergleichsangebote

* Ihre Zieldefinition und BATNA

* Die vorbereitete Agenda für das Gespräch

Ein gut sortierter Ordner zeigt nicht nur Professionalität, sondern gibt Ihnen auch Sicherheit während des Gesprächs.

Der kleine, aber feine Unterschied: Soft Skills 🤝

Harte Fakten sind wichtig, aber Verhandlungen werden zwischen Menschen geführt. Vergessen Sie die Beziehungsebene nicht.

* Seien Sie fair und respektvoll: Ein aggressiver Ton führt selten zu einem guten Ergebnis. Ziel ist eine langfristige Partnerschaft.

* Hören Sie aktiv zu: Versuchen Sie, die Position und die Bedürfnisse des Lieferanten zu verstehen. Vielleicht hat er mit eigenen Kostensteigerungen zu kämpfen.

* Suchen Sie nach Win-Win-Lösungen: Ein gutes Ergebnis ist eines, mit dem beide Seiten zufrieden sind. Vielleicht können Sie beim Preis nicht so viel erreichen, dafür aber bei den Lieferkonditionen oder Serviceleistungen.

Fazit: Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

 

Die Jahresverhandlung im Einkauf ist kein spontanes Gespräch, sondern ein strategischer Prozess.
Der Erfolg entscheidet sich nicht am Verhandlungstisch, sondern in den Wochen davor.

Eine gründliche Vorbereitung – von der Datenanalyse über die Strategieentwicklung bis zur Zusammenstellung der Argumente – ist die halbe Miete. Sie gibt Ihnen die nötige Souveränität, um Ihre Ziele zu erreichen, faire Konditionen auszuhandeln und die Beziehung zu Ihren Lieferanten professionell zu gestalten. Gehen Sie nie wieder unvorbereitet in eine Verhandlung und machen Sie den Erfolg planbar.

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Ihre Meinung ist gefragt: Welchen Tipp für die Verhandlungsvorbereitung würden Sie noch ergänzen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und besten Tricks in den Kommentaren


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Mein Name ist Claus Angerhofer - ich bin Experte für Technologie, Einkauf und B2B Preisverhandlungen

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