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Warum das 'geringste Übel' langfristig teuer wird - Einkauf in der Grauzone


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit mehreren Kollegen in einem Meeting. Es geht um die Anschaffung einer neuen, wichtigen Software für das gesamte Unternehmen. Auf dem Tisch liegen drei Angebote:

  • Anbieter A:
    Der unangefochtene Marktführer. Jeder kennt ihn, die Software ist solide, aber auch teuer, etwas veraltet und nicht besonders flexibel. Niemand wird für diese Wahl kritisiert werden.
  • Anbieter B:
    Ein junges, innovatives Unternehmen. Die Software ist moderner, flexibler und günstiger. Sie könnte das Unternehmen wirklich voranbringen, ist aber weniger bekannt und birgt vielleicht ein kleines Restrisiko.
  • Anbieter C:
    Eine mittelgroße Firma, die einen Kompromiss aus beiden Welten anbietet, aber in keinem Bereich wirklich herausragt.

Nach langer Diskussion entscheidet sich das Gremium für Anbieter A. Warum? Weil es die sicherste Wahl ist. Die Wahl, gegen die niemand ernsthaft Einwände erheben kann. Es ist nicht die beste, nicht die innovativste und schon gar nicht die günstigste Option – aber sie ist die am wenigsten anstößige.

Sie haben gerade die "Tyrannei des geringsten Übels" (im Englischen: "Tyranny of the Least Objectionable") in Aktion erlebt.

Diese stille Kraft treibt in vielen Unternehmen Kaufentscheidungen an und wird langfristig zu einer teuren Falle.

 

Was ist die "Tyrannei des geringsten Übels"? 🤔


Der Begriff stammt ursprünglich aus der Medienforschung. Er beschreibt, warum Zuschauer oft nicht das sehen, was sie am liebsten mögen, sondern das, was sie am wenigsten stört. Übertragen auf den Einkauf bedeutet das: Anstatt die beste Lösung für ein Problem zu wählen, wird die Option bevorzugt, die auf den geringsten internen Widerstand stößt.

Es ist die Strategie des "Kopf-Einziehens". Man wählt den Weg des geringsten Widerstands, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, keine Risiken einzugehen und bloß keine Angriffsfläche für Kritik zu bieten. Das Ergebnis ist oft eine mittelmäßige Lösung, ein fauler Kompromiss, der niemanden begeistert, aber auch niemanden wirklich verärgert.

 

Die Psychologie dahinter: Warum wir das Mittelmaß wählen


Diese Tendenz zum sicheren Hafen hat tiefere Wurzeln, die oft in der Unternehmenskultur verankert sind:

  • Risikovermeidung:
    In vielen Firmen wird ein mutiger Fehlschlag härter bestraft als ein mittelmäßiger Erfolg. Die Angst, für eine falsche Entscheidung verantwortlich gemacht zu werden, lähmt. Die Wahl des bekannten Marktführers ist immer leicht zu rechtfertigen, selbst wenn sie objektiv nicht die beste ist.

  • Komplexe Entscheidungsstrukturen:
    Je mehr Abteilungen und Personen in eine Entscheidung involviert sind, desto schwieriger wird es, eine mutige Wahl zu treffen. Ein Konsens wird oft auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden – und das ist selten die beste Lösung.

  • Fehlende klare Verantwortung:
    Wenn niemand die alleinige Verantwortung trägt, neigt die Gruppe dazu, das Risiko zu streuen, indem sie die sicherste Option wählt.
  • Bequemlichkeit:
    Eine innovative Lösung erfordert mehr Recherche, mehr Argumentationsaufwand und mehr Überzeugungsarbeit. Der altbekannte Weg ist einfacher und bequemer.

Die langfristigen Kosten des geringsten Übels 💸


Kurzfristig mag die Wahl des geringsten Übels wie eine schlaue, diplomatische Lösung erscheinen.

Langfristig zahlen Unternehmen jedoch einen hohen Preis für diese Strategie.

 

1. Höhere Gesamtkosten (Total Cost of Ownership)


Die auf den ersten Blick "sichere" Lösung ist oft nicht die wirtschaftlichste. Ein günstigerer Anschaffungspreis kann durch hohe laufende Kosten, teure Wartungsverträge, mangelnde Effizienz oder fehlende Skalierbarkeit schnell zur Kostenfalle werden. Der Fokus liegt auf dem kurzfristigen, sichtbaren Preis, nicht auf den langfristigen Gesamtkosten.

 

2. Innovationsstau und Wettbewerbsnachteil


Wer immer nur auf Nummer sicher geht, verpasst den Anschluss. Innovative Lieferanten und neue Technologien bieten oft enorme Chancen, Prozesse zu optimieren, die Produktivität zu steigern und sich vom Wettbewerb abzuheben.

Die Tyrannei des geringsten Übels zementiert den Status quo und bremst den Fortschritt aus. Das Unternehmen verliert an Agilität und Innovationskraft.

 

3. Schwache und rein transaktionale Lieferantenbeziehungen


Die besten Lieferanten sind mehr als nur Erfüllungsgehilfen – sie sind strategische Partner.

Sie bringen eigene Ideen ein, helfen bei der Optimierung und treiben Innovationen voran. Eine Kultur, die nur auf "sichere" und unanstößige Partner setzt, fördert rein transaktionale Beziehungen. Man kauft eine Ware oder eine Dienstleistung, aber keine Partnerschaft, die echten Mehrwert schafft.

4. Demotivierte und frustrierte Mitarbeiter


Engagierte Mitarbeiter wollen die besten Werkzeuge und die besten Lösungen, um ihre Arbeit optimal zu erledigen.

Wenn sie ständig mit mittelmäßigen Kompromissen arbeiten müssen, die aus internen Machtspielen oder Ängstlichkeit resultieren, führt das zu Frustration und sinkender Motivation.

 

Die Kosten der Ineffizienz in Zahlen 📊


Ineffiziente, nicht strategische Prozesse im Einkauf sind teuer. Eine gemeinsame Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) und der B2B-Plattform Unite mit dem Titel "Indirekten Einkauf steuern: Erfolgsfaktoren für Performance und Kostenkontrolle" hat dies untermauert.

Die Auswertung der Antworten von 181 Fach- und Führungskräften aus europäischen Unternehmen zeigte, dass der durchschnittliche Aufwand bei der Beschaffung indirekter Materialien bei rund 5.600 Stunden pro Jahr pro Unternehmen liegt.

Zudem wird deutlich, dass die Digitalisierung noch nicht weit fortgeschritten ist:

40 % der Unternehmen nutzen nach wie vor simple Tools wie Excel, um ihre Prozesse zu steuern.

Solche fragmentierten und manuellen Prozesse sind ein Nährboden für die "Tyrannei des geringsten Übels", da sie Transparenz und datengestützte Entscheidungen erschweren und stattdessen subjektive Sicherheitsbedürfnisse in den Vordergrund rücken.

 

4 Tipps, um der Tyrannei zu entkommen


Wie können Unternehmen dieser teuren Falle entkommen? Es erfordert einen Kulturwandel und einen bewussten strategischen Ansatz.

 

1. Mut zur Entscheidung fördern (und belohnen)


Eine positive Fehlerkultur ist das A und O. Führungskräfte müssen ein Umfeld schaffen, in dem gut begründete, mutige Entscheidungen geschätzt werden – auch wenn sie sich im Nachhinein als nicht optimal herausstellen.

Ein kalkuliertes Risiko für eine potenziell bessere Lösung muss mehr wert sein als das Festhalten am sicheren Mittelmaß.

 

2. Fokus auf den Total Cost of Ownership (TCO) legen


Verlagern Sie die Diskussion vom reinen Einkaufspreis auf die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts oder einer Dienstleistung. Eine transparente TCO-Analyse entlarvt vermeintlich sichere, aber langfristig teure Optionen und liefert eine solide, datengestützte Grundlage für bessere Entscheidungen.

 

3. Klare Kriterien und Verantwortlichkeiten definieren


Ein strukturierter Auswahlprozess mit klar definierten, gewichteten Kriterien (z. B. Qualität, Innovationsgrad, Service, TCO, Nachhaltigkeit) macht Entscheidungen objektiver und weniger anfällig für politische Kompromisse. Zudem muss klar sein, wer die finale Entscheidung trifft und die Verantwortung dafür trägt.

 

4. Die Rolle des strategischen Einkaufs stärken


Der Einkauf darf keine reine Bestellabwicklung sein. Als strategische Funktion hat er die Aufgabe, Märkte zu analysieren, Innovationen zu identifizieren und die besten Partner für das Unternehmen zu finden. Geben Sie den Einkaufsexperten das Mandat und das Vertrauen, über den Tellerrand hinauszuschauen und auch mal unbequeme, aber bessere Vorschläge zu machen.

 

Fazit: Mut wird belohnt


Die "Tyrannei des geringsten Übels" ist eine unsichtbare, aber mächtige Bremse für den Unternehmenserfolg. Sie führt zu teuren Kompromissen, verhindert Innovation und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Der Weg des geringsten Widerstands ist auf lange Sicht der kostspieligste.

Unternehmen, die eine Kultur des Mutes, der Verantwortung und der strategischen Weitsicht etablieren, werden nicht nur bessere Einkaufsentscheidungen treffen, sondern auch agiler, innovativer und letztlich erfolgreicher sein.

Denn am Ende gilt: Nicht die sicherste, sondern die beste Lösung gewinnt.



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Im modernen B2B-Vertrieb, in dem Käufer sich bereits umfassend online informieren, bevor sie überhaupt einen Anbieter kontaktieren, sind Kundenreferenzen unverzichtbar. Sie sind der authentischste und überzeugendste Inhalt, den ein Unternehmen bieten kann. Referenzen bauen Vertrauen auf, reduzieren das wahrgenommene Kaufrisiko und liefern den sozialen Beweis, dass Ihre Lösungen in der Praxis funktionieren.


Mein Name ist Claus Angerhofer - seit 30 Jahren im Dienste der Industrie als Experte für Technologie und Einkauf

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